Ex-Snowboardprofi Patrick Mayer im Interview: Aus eigener Not zum Erfinder geworden
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Wenn plötzlich alles anders ist
Patrick Mayer, ehemaliger Profi-Snowboarder und seit einem schweren Unfall, der für ihn mit einer inkompletten Querschnittslähmung endete, auf Hilfsmittel angewiesen, weiß aus eigener Erfahrung sehr genau, was Gehbeeinträchtigte brauchen und worauf bei Produkten geachtet werden muss, die sie unterstützen sollen. Denn Mobilität ist ein wertvolles Gut – für jedermann. Patrick Mayer selbst beschreibt es so: „Mobilität bedeutet Freiheit und Lebensfreude. Als leidenschaftlicher Wintersportler, Landschaftsfotograf und Familienvater möchte ich maximale Mobilität und Flexibilität auf jedem Untergrund, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit.“ Genau dafür hat er seine Firma Nicon-Tec GmbH gegründet und den Safety Foot erfunden – einen speziellen Aufsatz, der an jeden Standard-Gehstock passt. Mit mir hat Patrick Mayer darüber gesprochen, was der Safety Foot alles kann, was das Besondere an ihm ist und wieso er ein Hilfsmittel ist, das für JEDEN Menschen, der Gehstöcke benutzt, sinnvoll ist.
Die einzigartige Erfindung
Mit dem Safety Foot war Patrick Mayer Kandidat bei "Die Höhle der Löwen“ – was nicht sein letzter Auftritt in der Fernsehshow sein sollte. Den Safety Foot und weitere Hilfsmittel findest du in unserem Online-Shop.
Das Interview:
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Wofür konkret hast du den Safety Foot entwickelt?
Herkömmliche Gummikapseln sind meist sehr günstig produziert. Ihr Hauptzweck ist es, das Rohr der Gehhilfe vor Abnutzung zu schützen – der Mensch steht bei diesem Produkt nicht wirklich im Mittelpunkt. Mein Ansatz ist ein anderer: Bei mir steht der Nutzer klar im Vordergrund. Es geht um sichere Fortbewegung und um die Freiheit, trotz Handicap möglichst viel erleben zu können. Damit dies möglich ist, müssen Betroffene auf JEDEM Untergrund mobil sein können. Und genau diese Freiheit kann der Safety Foot schenken – als eine durchdachte, belastbare und rutschfeste Basis für jeden einzelnen Schritt. Genau dafür habe ich den Safety Foot entwickelt. Er soll vor allem Stabilität und Sicherheit geben, sich dem Untergrund anpassen und auch bei Nässe zuverlässig greifen. Das funktioniert allerdings nur mit den richtigen Werkstoffen. Deshalb habe ich bei der Materialqualität nie Kompromisse gemacht. Der Safety Foot wird in Deutschland gefertigt und ausschließlich aus hochwertigen Kunststoffen hergestellt, die hohe mechanische Belastungen dauerhaft aushalten. Sicherheit und Mobilität sind keine Nebensachen. Vielmehr sind sie die Grundlage für Selbstständigkeit – und genau das war und ist mein Antrieb.
Wie ist dir die Idee gekommen – was wolltest du mithilfe des Safety Foot tun können und anderen ermöglichen?
Die Idee entstand an der Nordsee. Ich habe einen inkompletten Querschnitt, kann aber mit Gehstützen durchaus eine gewisse Strecke laufen. Im Sand jedoch sinken herkömmliche Gummikapseln schnell ein. Jeder Schritt kostet dann deutlich mehr Kraft, weil die Stützen im Boden verschwinden und die Arme quasi „immer länger“ werden müssen. Eine herkömmliche Gummikapsel ist mir bei einem solchen Ausflug einmal sogar im Sand steckengeblieben. Ich musste auf allen Vieren den Strand absuchen, um sie wiederzufinden. In diesem Moment war mir klar: So darf Mobilität nicht aussehen!
Da mich mein Querschnitt noch viele Jahre begleiten wird, wollte ich eine Lösung entwickeln, die dieses Problem dauerhaft behebt – eine stabile Basis, die nicht einsinkt und zuverlässig hält. Sich frei bewegen können, ohne Angst vor dem nächsten, unsicheren Schritt – das war es, was ich anstrebte, nicht nur für mich, sondern auch für alle anderen.
Wie lange hat es von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt gedauert?
Von der ersten Idee bis zum marktreifen Safety Foot sind etwa zwei Jahre vergangen. Begonnen habe ich mit einer klaren Vorstellung im Kopf, dennoch weiß man nie zu einhundert Prozent, wo die Reise dann technisch genau endet. Die Entwicklung von Hilfsmitteln darf man sich nicht als eine grade Linie vorstellen, sondern als einen Prozess. Eine Idee wächst, wird getestet, verworfen, verbessert – bis sie nicht nur funktioniert, sondern überzeugt. Aus einer persönlichen Lösung muss ein Produkt werden, das bezahlbar, universell einsetzbar und langfristig belastbar ist. Gerade bei einem sicherheitsrelevanten Hilfsmittel darf man keine Abkürzungen nehmen. Ich lasse mir lieber etwas mehr Zeit und habe am Ende etwas in der Hand, das sich wirklich verlässlich anfühlt. Denn wenn es um Sicherheit geht, ist „ganz gut“ einfach nicht gut genug.
Wieso war es so dringend notwendig, dass der Safety Foot erfunden wird?
Ich habe den Safety Foot vor rund zwölf Jahren entwickelt. Damals war das Bewusstsein für Mobilität mit Gehhilfen noch ein anderes als heute. Die Vorstellung war oft: Mit Gehstützen bewegt man sich auf befestigten Wegen in der Stadt. Und wenn es regnet, bleibt man eben zu Hause, bis die Wege wieder trocken sind. Natur, Sand, Wiesen oder unebene Untergründe galten nicht wirklich als selbstverständlicher Bewegungsraum für Menschen mit Gehstützen. Mir jedoch, als großem Outdoor-Enthusiasten, hat das nie gereicht. Ich hatte meinen Unfall mit 21 Jahren und bin seither jeden einzelnen Tag auf einen Rollstuhl oder auf Gehhilfen angewiesen. Auf Natur zu verzichten oder auf besseres Wetter zu warten – das war für mich keine Option. Deshalb habe ich alles darangesetzt, eine Lösung zu entwickeln, die Mobilität nicht auf perfekte Bedingungen beschränkt. Sicherheit darf nicht vom Untergrund oder vom Wetter abhängen. Der Safety Foot ist aus dem Anspruch heraus entstanden, Mobilität überall dort zu ermöglichen, wo Leben stattfindet – nicht nur auf trockenem Asphalt!
Du entwickelst und produzierst deine Hilfsmittel selbst. Wie arbeitet deine Firma? Wie bringst du deine eigenen Erfahrungen mit ein und wie stellt ihr die besonders gute Qualität sicher?
Die klare Vorstellung davon, was ein Hilfsmittel wirklich leisten muss, kommt von mir. Ich bin seit 26 Jahren selbst gehbeeinträchtigt und kenne die täglichen Herausforderungen aus eigener Erfahrung. Gleichzeitig bin ich eng vernetzt und im Austausch mit vielen Menschen, die ebenfalls auf Gehhilfen angewiesen sind – deren Rückmeldungen fließen direkt in die Entwicklung mit ein. In der Umsetzung arbeite ich ausschließlich mit Profis – von Konstruktion und Design bis hin zu Materialauswahl und Zulassungen. Das ist aufwendig, führt jedoch zu einer technisch durchdachten und langlebigen Lösung, statt zu einem improvisierten Produkt. Hergestellt wird es im süddeutschen Raum mit erfahrenen Partnern und unter Verwendung hochwertiger Materialien. Das ist nicht der günstigste Weg, aber der verantwortungsvollste. Mir geht es nicht um eine maximale Marge, sondern um die Sicherheit der Nutzer des Safety Foot. Auch das Design spielt eine große Rolle. Wir leben im Jahr 2026 – ein Hilfsmittel darf mehr sein als nur funktional. Es darf hochwertig, selbstbewusst und zeitgemäß gestaltet sein. Für mich gehören Funktion, Sicherheit und Design untrennbar zusammen.
Wieso ist der Safety Foot nicht nur für sportliche Menschen mit Gehbeeinträchtigung ein echter „Gamechanger“?
Der Safety Foot ist keine Speziallösung für Outdoor-Abenteuer – sondern ein Sicherheitsplus für ganz normale Alltagssituationen. Im Herbst sorgen nasse Blätter schnell für Rutschgefahr, kleine Äste wirken unter herkömmlichen Gummikapseln wie ein Kugellager. Das passiert nicht etwa in Extremsituationen, sondern zum Beispiel auf dem Weg zum Einkaufen oder beim Spaziergang im Park. Der Safety Foot kann solche Risiken nicht vollständig ausschließen, erhöht aber die Stabilität und Sicherheit spürbar. Gerade für ältere Menschen ist eine hohe Rutschfestigkeit entscheidend – etwa auf feuchten Böden im Schwimmbad oder auf nassem Kopfsteinpflaster. Hier sorgt die spezielle Sohle des Safety Foot für mehr Grip und Sicherheit. Auch umfallende Gehstöcke sind ein oft unterschätztes Risiko. Beim Aufheben verlagert sich das Körpergewicht automatisch nach vorn – ein Moment, in dem viele Stürze entstehen. Ein Stock mit dem Safety Foot bleibt durch die breitere Basis wesentlich häufiger stehen. Kritische Situationen entstehen spürbar seltener. Der Safety Foot ist deshalb kein Produkt für besonders sportliche Menschen, sondern für alle, die sich im Alltag mit Gehstützen sicherer fortbewegen möchten.
Tatsächlich leistet der Safety Foot noch einen weiteren Beitrag: Alle Teile werden in einer Behindertenwerkstatt zum vollständigen Produkt montiert. Damit steht der Safety Foot nicht nur für Sicherheit, sondern auch für soziale Verantwortung. Für mich gehört beides zusammen.
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