Unternehmer im Rollstuhl statt Snowboard-Profi
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Die eigentlichen Pläne sahen ganz anders aus
Er wollte Snowboard-Profi werden, doch im Alter von 21 Jahren beendete ein Unfall seine sportliche Laufbahn abrupt. Patrick Mayer stürzte in eine tiefe Krise. Doch der Outdoor-Enthusiast und leidenschaftliche Landschaftsfotograf fand seine Lebensfreude wieder. Was als schwerer Schicksalsschlag begann, wurde schließlich der Startschuss für eine ganz neue Karriere. Patrick Mayer gründete die Firma NICON-TEC. Dort entwickelt und produziert er Hilfsmittel für Menschen mit Gehbeeinträchtigung. Sein Ziel ist es, die Welt betroffener Menschen nachhaltig zu verbessern, ihnen die Teilhabe an Sport, Ausflügen und einem aktiven Familienleben trotz Handicap in vollem Maße zu ermöglichen – auf jedem Untergrund, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit.
Mir hat Patrick Mayer seine Geschichte erzählt – was ihn antreibt, was seine Träume sind und wieso das Entwickeln von Hilfsmittel seine Mission geworden ist.
Früh wusste ich, was ich wollte
Mit neun Jahren stand ich auf dem Jakobshorn in Davos, blickte auf die Halfpipe hinunter – und wusste es in diesem Moment: Ich will Profi-Snowboarder werden. Dieser Traum ließ mich nicht mehr los. Mit 17 Jahren packte ich meine Sachen und zog ins Sportinternat nach Ftan (ein Dorf im Schweizer Kanton Graubünden), weit weg von Familie und Freunden. Die Verwirklichung meines Traumes schien zum Greifen nah.
Ein winziger Moment der Unachtsamkeit – danach war alles anders
Dann kam der 1. April 2000. Ich nahm an einem Boardercross-Rennen teil und fuhr mit hohem Tempo nach rechts in eine Kompression. Dann kam ein Kicker. Ich war kurz unkonzentriert, hatte den Turn nicht beendet und flog unkontrolliert davon. Bereits in der Luft war mir klar – das wird richtig in die Hose gehen! Ich flog brutal weit und landete mit dem Rücken auf blankem Eis. Um mich herum wurde es schwarz.
Die Diagnose war niederschmetternd
Als ich kurz darauf die Augen wieder aufschlug, blickte ich in zahlreiche sorgenvolle Gesichter von Menschen, die sich über mich beugten. Ich wollte aufstehen – doch ich konnte es nicht. Meine Beine reagierten nicht. Die Erkenntnis durchzuckte mich wie ein Blitz: Querschnittslähmung! Der Gedanke war sofort da. Der Rettungshelikopter brachte mich in die Uniklinik Innsbruck, wo man mir die Wirbelsäule in einer Notoperation richtete und fixierte. Ich erhielt meine Diagnose. Sie lautete: inkomplette Querschnittlähmung.
Gut zu wissen
Eine inkomplette Querschnittslähmung ist eine teilweise Schädigung des Rückenmarks, bei der die Verbindung zwischen Gehirn und Körper nicht vollständig unterbrochen ist. Im Gegensatz zur kompletten Lähmung bleiben Restfunktionen wie Gefühlsempfindungen (Sensibilität) oder Muskelbewegungen (Motorik) unterhalb der Verletzungsstelle teilweise erhalten. Durch intensive Rehabilitation und Physiotherapie können oft Funktionen verbessert oder wiederhergestellt werden.
Der Sport und die Natur halfen wir, nicht zu verzweifeln
Ziemlich genau ein Jahr zuvor, am 31. März 1999, hatte ich meinen Bruder unter tragischen Umständen verloren. Binnen eines Jahres ereilten mich also gleich zwei Schicksalsschläge – hart und ohne Vorwarnung. Mit 21 Jahren war mein altes Leben, so wie ich es gekannt und geliebt hatte, unwiederbringlich vorbei. Es würde keine Wettrennen mehr geben für mich. Keine akrobatischen Sprünge. Keinen Profisport.
Es dauerte Jahre, bis ich das akzeptieren konnte. Doch Aufgeben war keine Option – genauso wenig wie ein Leben ohne Sport draußen in der Natur. Acht Monate nach dem Unfall saß ich auf einem Monoski (ein spezielles Sportgerät, das aus einer Sitzschale auf einem gefederten Rahmen besteht, welcher auf einem einzelnen Ski montiert ist) und spürte: Auch mit Behinderung kann ich Freude am Leben haben.
Dank einer intensiven Reha und sehr viel Physiotherapie kamen über die Jahre einige Körperfunktionen zurück. Heute kann ich mich mit Gehhilfen fortbewegen – doch der Rollstuhl bleibt mein ständiger Begleiter. Und das ist okay.
Ich erkannte: So darf es nicht weitergehen
Der Unfall lag schon ein paar Jahre zurück, da schob mich ein Freund im schweizerischen Arosa im Rollstuhl durch den Schnee. Ich fühlte mich wie ein Sack Kartoffeln in einer Sackkarre. Für mich hatte die Situation etwas extrem Entwürdigendes.
In mir regte sich Widerstand – mein alter Kampfgeist meldete sich vehement zurück: Ich bin Patrick! Ich will mich selbst fortbewegen – im Schnee, am Strand, in der Natur!
Meine neue Mission
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Leider gab es zu jener Zeit noch keine dafür geeigneten Hilfsmittel. Deshalb beschloss ich, sie selbst zu entwickeln und zu produzieren. Zwölf Jahre nach dem Unfall gründete ich meine Firma NICON-TEC. Die Anfangszeit war hart. Ich investierte alles, was ich hatte. Es gab Zeiten, in denen ich im Warenlager meines Firmensitzes neben Paletten schlief, weil das Geld für eine eigene Wohnung nicht reichte. Doch ich ließ mich nicht beirren. Immer wieder sagte ich mir: Es kann nicht sein, dass wir Roboter auf den Mars schießen, hochauflösende Bilder zur Erde schicken – Menschen im Rollstuhl aber noch immer an den kleinsten Barrieren scheitern!
Produkte, die wirklich zählen
Ich habe durchgehalten und mein Ziel erreicht. Heute entwickle und produziere ich Hilfsmittel, die das Leben gehbeeinträchtigter Menschen verändern. Zu meinen Produkten gehören zum Beispiel die Wheelblades für den Rollstuhl im Schnee und der Safety Foot für Gehhilfen auf unebenem, rutschigem, weichem oder sonst wie schwer gangbarem Terrain. Mit meinem Unternehmen setze ich mich heute für Barrierefreiheit und uneingeschränkte Mobilität von Menschen mit Gehbeeinträchtigung ein. Ich bin der Meinung, dass sich Inklusion nicht nur auf das urbane Leben beschränken darf, sondern auch in der Natur stattfinden sollte. Es ist wichtig, dass dafür clevere und preiswerte Hilfsmittel zur Verfügung stehen. 7,9 Millionen schwerbehinderte Menschen leben in Deutschland – wir sprechen also nicht von einer Nische, sondern von einer Verantwortung, die wir alle tragen, wenn wir Inklusion ernst nehmen. Genau an dieser Stelle möchte ich mit meinem Unternehmen und meinen Produkten ansetzen: Ich möchte die Welt der Gehbeeinträchtigten nachhaltig verbessern.
Die einzigartige Erfindung
Mit dem Safety Foot war Patrick Mayer Kandidat in „Der Höhle der Löwen“ – was nicht sein letzter Auftritt in der Fernsehshow sein sollte. Weitere Hilfsmittel und Produkte findest du in unserem Online-Shop.
Ich habe noch viel vor
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Als Vater eines Sohnes weiß ich heute mehr denn je, warum ich das alles tue. Ich will ihm die Welt zeigen. Ein normaler Papa sein. Mobilität bedeutet Freiheit – und Freiheit bedeutet Lebensfreude. Ich möchte gehbeeinträchtigten Menschen ermöglichen, Sport zu treiben und die Natur zu erleben. Was einst als Vision begonnen hat, ist längst zu meiner Mission geworden. Und ich bin noch lange nicht fertig.
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