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Polyphagie: Ursachen, Symptome & die richtige Behandlung!

Aktualisiert am 19.01.2026 |
8 Min. Lesezeit
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Einleitung

Du leidest an einem extremen, unstillbaren Hungergefühl und einer damit verbundenen krankhaften Nahrungsaufnahme? Dann spricht alles dafür, dass du es mit Polyphagie zu tun hast. Polyphagie tritt häufig im Zusammenhang mit Diabetes mellitus auf, kann aber auch andere medizinische Ursachen wie etwa eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine atypische Depression haben. Wenn du befürchtest, von Polyphagie betroffen zu sein, so solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen, um deinen Verdacht medizinisch abklären zu lassen. Erfahre hier, was die Ursachen von Polyphagie sind, wie du sie erkennen und was du dagegen unternehmen kannst!

Das Wichtigste in Kürze
  • Unter Polyphagie wird eine krankhaft gesteigerte Nahrungsaufnahme oder ein übermäßiger, unstillbarer Hunger verstanden.

  • Polyphagie wird durch Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus (häufigste Ursache), Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), hormonelle Störungen, neurologische Probleme (zum Beispiel Hirntumor), Magen-Darm-Erkrankungen (Malabsorption, Parasiten) oder psychische Ursachen (Essstörungen) ausgelöst. Auch bestimmte Medikamente (Glukokortikoide) können Polyphagie verursachen.

  • Oft geht Polyphagie mit Symptomen wie übermäßigem Durstempfinden (Polydipsie) und krankhaft erhöhter Urinausscheidung (Polyurie) einher. Außerdem kann sie ein Symptom von Prädiabetes, einer Vorstufe von Diabetes, sein.

Was ist Polyphagie?

Von einer Polyphagie (griechisch-lateinisch: polyphagia) ist die Rede bei einer krankhaft gesteigerten Nahrungsaufnahme oder übermäßigem, unstillbaren Hunger. Der Begriff setzt sich aus den Bestandteilen „poly“ wie „viel“ und „phagein“ wie „essen“ zusammen. Polyphagie kann auf verschiedene organische und psychische Ursachen hindeuten und zudem mit Symptomen wie übermäßigem Durstempfinden (Polydipsie), krankhaft erhöhte Urinausscheidung (Polyurie) oder Gewichtsverlust einhergeht. Es ist wichtig, Polyphagie von normalem Hunger und gesundem Appetit zu unterscheiden, da sie auf eine behandelbare Grunderkrankung hindeutet. Verschiedene kommen dafür infrage: eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Diabetes mellitus, eine Nebennierenüberfunktion, Essstörungen wie Bulimie, Malabsorption, Hirntumore, Entzündungen und Parasiten. Darüber hinaus kann Polyphagie als Nebenwirkung einiger Medikamente auftreten.

 

Achtung: Der Begriff „Polyphagie“ wird häufig mit dem Begriff „Polyphasie“ verwechselt und kann je nach Kontext verschiedenes bedeuten. Die Bedeutung von Polyphasie (ein Fachbegriff aus der Elektromyographie) beschreibt ein pathologisches, zeitlich überlagertes Entladungsmuster von Muskelfasern, das bei Muskelerkrankungen (Myopathien) auftritt und auf Muskelfaser-Ausfälle, Regeneration oder Fasergrößenvariationen hinweist.

Polydipsie, Polyurie & Polyphagie: Zusammenhänge & Unterschiede

Die Begriffe „Polydipsie“, „Polyurie“ und „Polyphagie“ tauchen immer wieder im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Diabetes mellitus auf, zudem gibt es einige Wechselwirkungen untereinander. Zum besseren Verständnis deshalb hier für dich eine Übersicht der Bedeutung der einzelnen Begriffe und ihrer Zusammenhänge:

 

Polydipsie

  • Polydipsie ist der medizinische Fachbegriff für ein krankhaft gesteigertes Durstgefühl und übermäßige Flüssigkeitsaufnahme (oft über vier Liter täglich).

  • Polydipsie geht oft einher mit vermehrtem Wasserlassen (Polyurie).

  • Polydipsie ist oft ein Symptom für zugrundeliegende Erkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Diabetes insipidus (der Körper kann das Hormon Vasopressin (ADH) nicht richtig regulieren, was zu Flüssigkeitsverlust und Dehydrierung führt). Doch auch psychische Ursachen sind möglich.

 

Polyurie

  • Hierbei handelt es sich um eine krankhaft gesteigerte Urinproduktion (bei Erwachsenen mehr als drei Liter pro Tag).

  • Polyurie ist ein Symptom, keine eigenständige Krankheit.

  • Polyurie kann auf eine zugrundeliegende Erkrankung wie Diabetes mellitus oder Nierenerkrankungen hindeuten.

 

Polyphagie

  • Polyphagie beschreibt ein extrem großes, unstillbares Hungergefühl.

  • Polyphagie kann ein Symptom verschiedener Krankheiten sein. So tritt sie beispielsweise häufig in Zusammenhang mit Diabetes auf, aber auch andere medizinische Ursachen, wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine atypische Depression, sind möglich.

 

Wenn du befürchtest, dass du von einer Polydipsie, einer Polyurie oder einer Polyphagie betroffen sein könntest, so suche auf jeden Fall zeitnah einen Arzt auf, da diesen Symptomen verschiedene Krankheiten zugrunde liegen können.

Kenne die Ursachen von Polyphagie!

Polyphagie tritt häufig bei Diabetes auf, kann aber auch andere medizinische Ursachen haben. Du solltest jedoch immer einen Arzt aufsuchen, wenn du es mit einer Polyphagie zu tun hast, damit die Grunderkrankung schnellstmöglich behandelt werden kann. Folgende Polyphagie-Ursachen sind möglich:

  • ein zu hoher Insulinspiegel (Hyperinsulinämie) – oft eine Folge der Insulinresistenz bei Typ-2-Diabetes oder selten auch durch Tumore (Insulinome) hervorgerufen

  • eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), da sie in vielen Fällen mit einem beschleunigten Stoffwechsel und gesteigertem Hunger einhergeht

  • hormonelle Schwankungen (sie können zum Beispiel den Appetit vor der Periode verstärken)

  • psychisch bedingte Essstörungen wie Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) und Binge-Eating („Essanfälle“)

  • atypische Depressionen

  • ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel, etwa hervorgerufen durch langfristigen Stress

  • Schädigungen oder Tumore im Hypothalamus (Hungerzentrum im Gehirn)

  • eine Malabsorption (gestörte Nährstoffaufnahme); der Körper bleibt trotz Nahrungsaufnahme unterversorgt

  • bestimmte Wirkstoffe in Medikamenten (zum Beispiel Kortikosteroide oder Antidepressiva)

 

Auch interessant: Wenn Polyphagie in Zusammenhang mit Diabetes mellitus auftritt, kommen nicht selten Begleiterscheinungen wie übermäßiger Durst (Polydipsie) und häufiges Wasserlassen hinzu. Einem Typ-2-Diabetes vorbeugen kannst du in vielen Fällen durch eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und wenig Zucker, regelmäßige Bewegung (mindestens 30 Min. täglich), Gewichtsreduktion bei Übergewicht sowie Stressvermeidung. Auch ausreichender Schlaf und Verzicht auf Alkohol und Rauchen tragen zur Prävention bei.

Aber: Die Ernährung bei Diabetes ist immer von großer Wichtigkeit – auch bei einem Typ-1-Diabetes. Der Unterschied zwischen einem Diabetes Typ 1 und Typ 2 liegt in der Ursache. So handelt es sich bei Diabetes Typ 1 um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen zerstört, was zu einem absoluten Insulinmangel führt (meist bei jüngeren Menschen). Diabetes Typ 2 hingegen entsteht durch Insulinresistenz (Zellen reagieren schlecht auf Insulin) und/oder unzureichende Insulinproduktion, oft begünstigt durch Lebensstilfaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel.

So kannst du Polyphagie erkennen!

Polyphagie äußert sich durch übermäßigen Hunger (über einen langen Zeitraum auftretend) und eine damit einhergehende krankhaft gesteigerte Nahrungsaufnahme. Je nachdem, welche Erkrankung der Polyphagie zugrunde liegt, können jedoch weitere Begleiterscheinungen hinzukommen. Folgende gehören dazu:

  • Müdigkeit

  • häufiges Wasserlassen

  • unerklärlicher Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme

  • übermäßiger Durst

  • Unruhe

  • Reizbarkeit

Polyphagie bei Diabetes: Zusammenhang mit Blutzucker

Polyphagie, also übermäßiger Hunger, ist häufig die Folge eines unbehandelten Diabetes mellitus, da der Körper bei hohem Blutzucker (Hyperglykämie) die Glukose nicht richtig verwerten kann, weil Insulin fehlt oder nicht wirkt. Die Zellen „hungern“, obwohl viel Zucker im Blut ist. Die Folge ist vermehrtes Essen, um Energie zu gewinnen. Oft kommen außerdem sehr starker Durst (Polydipsie) und vermehrter Harndrang (Polyurie) hinzu. Trotz der gesteigerten Nahrungsaufnahme ist ein Gewichtsverlust möglich.

 

Diabetes und Polyphagie – wie das eine zum anderen führt:

  • Bei Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin oder der Körper reagiert nicht auf das Insulin (Insulinresistenz).

  • Ohne Insulin gelangt die Glukose nicht effizient genug in die Zellen, es kommt zu einem Energiemangel.

  • Das Gehirn interpretiert diesen Mangel als Hunger und sendet ein verstärktes Hungergefühl aus, denn es will Energie aufnehmen.

  • Da die Glukose aber nicht genutzt wird, beginnt der Körper Fett und Muskeln abzubauen. Dies kann dann trotz der erhöhten Nahrungsaufnahme zu einem Gewichtsverlust führen.

  • Die Glukose bleibt im Blut, was zu einem krankhaft erhöhten Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) führt, und wird über die Nieren ausgeschieden. Ein vermehrtes Wasserlassen (Polyurie) und erhöhter Durst (Polydipsie) sind die Folge, da der Körper dehydriert.

Wie unterstützt dich dein Arzt bei Polyphagie?

Je nachdem, welche Ursache deiner Polyphagie zugrunde liegt, kann die Behandlung unterschiedlich aussehen. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten. Folgendes gehört zur Behandlung häufig dazu:

  • zunächst die Behandlung der Grunderkrankung, wie etwa eine Blutzuckerregulierung bei Diabetes

  • Medikamente (beispielsweise Insulin oder Schilddrüsenmedikamente, je nach Grunderkrankung)

  • Ernährungsumstellung

  • Lebensstiländerungen (zum Beispiel mehr Bewegung)

  • Gewichtsmanagement

  • Therapien bei psychologischen und psychischen Ursachen (etwa Verhaltenstherapie bei Emotionalem Essen), um den Appetit besser kontrollieren zu können und starke Gewichtsschwankungen zu vermeiden.

So können Blutzuckermessgeräte bei Polyphagie unterstützen!

Ist Diabetes die Grunderkrankung, die bei dir mit dem Symptom der Polyphagie einhergeht, so kann der Einsatz von Blutzuckermessgeräten durchaus sehr hilfreich sein. Sie helfen dir, die Ursachen besser zu verstehen und sie zu behandeln. So lassen sich deine Blutzuckerwerte mithilfe eines Blutzuckermessgerätes gut dokumentieren, was es dir erleichtert, deine Therapie entsprechend anzupassen. Blutzuckerschwankungen können dank der Blutzuckermessgeräte besser kontrolliert und übermäßiger Hunger im Idealfall reguliert werden. Blutzuckermessen lohnt sich also unbedingt. Eine kontinuierliche Glukosemessung (CGM) mit Sensoren ermöglicht inzwischen sogar ein Blutzuckermessen ohne Stechen. Der Blutzuckerwert wird dabei von den Sensoren in der Gewebeflüssigkeit gemessen. Die Daten werden dann zum Beispiel an ein Smartphone gesendet. Angebracht wird der CGM-Sensor typischerweise an der Rückseite des Oberarms oder häufig auch am Abdomen (Bauchbereich).

Hierbei unterstützen dich Blutzuckermessegeräte, wenn du an übermäßigem Hunger leidest:

  • Sie helfen bei der Ursachenfindung. Polyphagie ist oft ein Symptom von Diabetes. Messgeräte helfen, die Verbindung zwischen Blutzuckerwerten und Hungergefühl herzustellen.

  • Sie machen eine einfache Therapieanpassung möglich. Zeigen die Messwerte zum Beispiel eine Hyperglykämie (Überzuckerung) an, so weist dies auf eine unzureichende Insulinwirkung hin. Eine Dosisanpassung ist notwendig.

  • Bei Diabetes kann auch eine starke Unterzuckerung (Hypoglykämie) auftreten, die ein übermäßiges Hungergefühl auslösen kann. Solche Blutzuckertiefs lassen sich mithilfe von Blutzuckermessungen, denen dann eine schnelle, den gemessenen Werten angepasste Glukoseaufnahme folgt, wieder korrigieren.

  • Durch regelmäßige Blutzuckermessungen lassen sich in der Regel Muster erkennen. Es wird sichtbar, wann der Hunger meist auftritt. Mahlzeiten können besser geplant werden.

Fazit

Polyphagie ist ein medizinischer Begriff für eine krankhaft gesteigerte Nahrungsaufnahme oder übermäßigen Hunger und oft ein Symptom für zugrundeliegende organische oder psychische Krankheiten. Wenn du also mehr Kalorien aufnimmst, als dein Körper benötigt, sich aber dennoch kein Gefühl der Sättigung einstellt, so solltest du unbedingt zeitnah einen Arzt aufsuchen, da die der Polyphagie zugrundeliegende Erkrankung oft erfolgreich behandelt oder kontrolliert werden kann.

Oft gefragt

Mitarbeiterin bei joviva, Karin Pütz, Content Writerin
Karin Pütz
Medical Writerin
Autor

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Literatur und weiterführende Informationen

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