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Hüftkopfnekrose: Ursachen erkennen & Schmerzen lindern

Aktualisiert am 20.02.2026 |
9 Min. Lesezeit
Geprüft von:Partner Management

Einleitung

Die Hüftkopfnekrose (umgangssprachlich häufig auch als „Knochenfraß“ bezeichnet) ist eine ernste, aber behandelbare Erkrankung. Jährlich kommen in Deutschland schätzungsweise fünftausend bis siebentausend Neudiagnosen hinzu. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie sind wichtig, um das betroffene Gelenk so lange wie möglich zu erhalten. Erfahre hier, was die Symptome einer Hüftkopfnekrose sind und welche Therapieformen in welchem Stadium möglich sind.

Das Wichtigste in Kürze
  • Typische Symptome einer Hüftkopfnekrose sind Schmerzen in der Hüfte, besonders Leistenschmerzen. Sie können außerdem in Oberschenkel oder Knie ausstrahlen.

  • Eine aseptische Knochennekrose wird häufig synonym mit dem Begriff „Knocheninfarkt“ verwendet, wobei dieser eigentlich den Prozess des Gewebeabsterbens beschreibt.

  • Aseptische Knochennekrose ist der Oberbegriff für das Absterben von Knochengewebe aufgrund von Durchblutungsstörungen, während die Hüftkopfnekrose (Femurkopfnekrose) die spezifische Form ist, bei der der Hüftkopf (auch: Femurkopf – der obere Teil des Oberschenkelknochens) betroffen ist, was zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und schließlich zur Gelenkzerstörung führen kann.

  • Hüftdysplasie (fehlgebildete Hüftpfanne) und Hüftkopfnekrose (Absterben des Hüftkopfknochens durch Durchblutungsstörung) sind beides schwere Hüftleiden, die oft zu Arthrose führen.

  • Die Behandlung der Hüftkopfnekrose ist abhängig davon, in welchem Stadium sie sich befindet. Je früher sie erkannt und behandelt wird, umso vielversprechender ist die Therapie der Hüftkopfnekrose.

  • Eine Hüftkopfnekrose (umgangssprachlich manchmal auch als „Knochenfraß“ bezeichnet) kann leicht mit einer Schleimbeutelentzündung der Hüfte (Bursitis) verwechselt werden. Beide Erkrankungen verursachen starke Hüft- und Leistenschmerzen, haben aber unterschiedliche Ursachen.

Was ist Hüftkopfnekrose?

Bei einer Hüftkopfnekrose (auch „Hüftnekrose“ genannt) handelt es sich um eine schwere Erkrankung des Hüftknochens, bei der das Knochengewebe im Hüftkopf aufgrund einer Durchblutungsstörung abstirbt. Hüftschmerzen (Coxalgien) sind typische Symptome. Meist handelt es sich dabei um Leistenschmerzen. Darüber hinaus können Schmerzen auch im Oberschenkel oder Knie auftreten. Diese sind häufig erst belastungsabhängig und machen sich später auch in Ruhe bemerkbar.

Eine Hüftkopfnekrose führt häufig zu deutlichen Bewegungseinschränkungen in der Hüfte, bei Drehbewegungen sowie beim Anheben, Bücken und Spreizen des Beins. Die Folge sind nicht selten Hinken, weitere Gangveränderungen bis schließlich hin zur Bewegungslosigkeit. Bricht der Oberschenkelkopf (Hüftkopf) ein und eine Hüftgelenksarthrose entsteht, so ist in vielen Fällen eine Operation notwendig. Hauptrisikofaktoren für eine Hüftkopfnekrose sind Alkohol, Rauchen, hohe Kortisondosen oder Verletzungen.

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Symptome: Wie macht sich eine Hüftkopfnekrose bemerkbar?

Die Symptome einer Hüftkopfnekrose beginnen oft schleichend mit belastungsabhängigen Leisten- und Hüftschmerzen, die sich nach und nach verstärken und auch nachts auftreten können. Häufig werden die ersten Symptome unterschätzt. Dass die mit einer Hüftkopfnekrose einhergehenden Schmerzen bis ins Knie ausstrahlen können, erschwert die Diagnose zusätzlich. Damit du deine Beschwerden besser einordnen kannst, hier eine Übersicht der typischen Symptome einer Hüftkopfnekrose:

Frühe Symptome

  • Schmerzen am Hüftknochen, oft in der Leiste beginnend

  • Zunächst treten die Schmerzen besonders bei Bewegung auf.

  • eingeschränkte Beweglichkeit, vor allem bei der Innenrotation der Hüfte

  • Beim Gehen wird eine eingeschränkte Schonhaltung eingenommen (Hinken).

  • Das Bein kann nicht voll belastet werden.

Fortgeschrittene Symptome (nach Einbruch des Hüftkopfes)

  • zunehmende Schmerzen in Hüfte und Leiste, auch bei Ruhe und in der Nacht

  • ausstrahlende Schmerzen bis ins Knie

  • starke Bewegungseinschränkungen, das Gelenk kann sich wie „eingemauert“ anfühlen

Späte Symptome

  • massive Schmerzen in Hüfte und Leiste

  • Bewegungsunfähigkeit des betroffenen Beins

 

Übrigens: Auch beidseitige Hüftschmerzen können ein frühes Anzeichen einer Hüftkopfnekrose.

Wichtig: Wenn du befürchtest, an einer Hüftkopfnekrose zu leiden, so solltest du frühzeitig einen Arzt aufsuchen, am besten einen Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Spezialisierung auf Hüftchirurgie und Endoprothetik. Es handelt sich um ein komplexes Gelenkproblem, das oft operative Maßnahmen und eine spezialisierte Expertise benötigt.

Was verursacht eine Hüftkopfnekrose? Die häufigsten Risikofaktoren

Eine Hüftkopfnekrose kann verschiedene Ursachen haben. Zum besseren Verständnis deshalb hier eine Übersicht der Risikofaktoren, die eine gestörte Durchblutung des Oberschenkelkopfes hervorrufen können:

  • Traumata (Unfälle wie Schenkelhalsbrüche oder Hüftluxationen)

  • Durchblutungsstörungen (Ischämie)

  • Stoffwechselstörungen (wie etwa Diabetes mellitus, Gicht und Fettstoffwechselstörungen)

  • Alkohol- und Nikotinkonsum

  • Medikamente (die langfristige Einnahme von hochdosiertem Kortison und Chemotherapien)

  • Übergewicht

  • systemische Erkrankungen (zum Beispiel Sichelzellanämie, Lupus erythematodes und Morbus Gaucher)

Diagnose der Hüftkopfnekrose

Diagnose der Hüftkopfnekrose

Die Diagnose der Hüftkopfnekrose beginnt mit einem Anamnesegespräch, das du mit deinem Arzt führst. Dabei geht es darum, deine Krankengeschichte sowie mögliche Risikofaktoren möglichst genau zu erfassen. Anschließend folgt in der Regel eine körperliche Untersuchung, bei der die Beweglichkeit und das Gangbild geprüft, Schmerzpunkte ausfindig gemacht und die Ausstrahlung von Schmerzen erkannt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden in der Regel im Folgenden durch bildgebende Verfahren überprüft.

Ein MRT (Magnetresonanztomografie) ist bei der Frühdiagnose das am besten geeignete Verfahren, da es bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt Minderdurchblutung und Veränderungen der Knochenstruktur zeigen kann.

Auf einem Röntgenbild hingegen werden Veränderungen erst in späteren Stadien sichtbar, nämlich dann, wenn der Knochen bereits geschädigt ist. Ist dies der Fall, zeigt das Röntgenbild typische Muster wie eine Demarkierung (abgestorbenes Knochengewebe grenzt sich vom gesunden Gewebe ab) oder den Einbruch des Hüftkopfes. Frühe Knorpelschäden sind radiologisch schwer zu erkennen, daher dient das Röntgenbild bei einer Hüftarthrose oft der Bestätigung fortgeschrittener Fälle sowie der Beurteilung des Schweregrades.

Ultraschall ist eine gute Wahl, wenn es um die Verlaufskontrolle oder die Früherkennung indirekter Zeichen geht. So können mithilfe von Ultraschall beispielsweise Gelenkergüsse und Entzündungen gut dargestellt werden – zudem geschieht dies schnell und strahlenfrei.

Behandlung & Therapieoptionen

Die Behandlung der Hüftkopfnekrose ist abhängig davon, in welchem Stadium sie sich befindet. Je früher sie erkannt und behandelt wird, umso vielversprechender ist die Therapie. Die Stadien der Hüftkopfnekrose werden meist nach der internationalen ARCO-Klassifikation (Association Research Circulation Osseous) eingeteilt, die von Stadium 0 (anfänglich, nur histologisch nachweisbar) über Stadium I (Nekrose ist im MRT sichtbar) und Stadium II (Röntgen zeigt Veränderungen wie Sklerose) bis hin zu den Stadien III (subchondrale Fraktur/Crescent Sign) und IV (Arthrose, Gelenkzerstörung) reicht.

Hier für dich eine Übersicht der üblichen Therapieoptionen in den verschiedenen Stadien. Erfahre auch, wann bei einer Hüftkopfnekrose Selbstheilung möglich ist und wann bei einer Hüftkopfnekrose operieren sinnvoll ist:

 

Konservative Behandlung (frühes Stadium)

  • Unterarmgehstützen zur Druckentlastung des Hüftkopfes

  • Physiotherapie, um Muskelaufbau und Beweglichkeit zu fördern

  • Schmerzmittel und Medikamente, durchblutungsfördernde Infusionen oder Bisphosphonate (Medikamente, die den Knochenabbau verlangsamen)

  • Magnetfeldtherapie (zielt darauf ab, den Knochenstoffwechsel anzuregen, die Durchblutung zu fördern und so die Selbstheilungskräfte des Knochens zu unterstützen)

  • Risikofaktoren vermeiden (zum Beispiel Alkohol und Rauchen)

 

Operative Behandlung

Frühe Stadien (ARCO I/II): gelenkerhaltende Eingriffe

  • kleine Bohrungen (Kernanbohrung) in den Hüftkopf zur Senkung des Drucks und zur Anregung der Durchblutung (oft arthroskopisch)

  • Ersatz abgestorbenen Gewebes durch körpereigenes Gewebe mithilfe von Knochentransplantation

 

Fortgeschrittene Stadien (ARCO III/IV):

  • Künstlicher Gelenkersatz (Hüft-TEP) bei zu starker Schädigung ermöglicht in vielen Fällen wieder schmerzfreies Gehen.

Wichtig: Die genaue Behandlungsstrategie wird von deinem Arzt festgelegt und individuell auf dich persönlich zugeschnitten.

 

Gut zu wissen: Ob eine Hüftkopfnekrose zu einer Schwerbehinderung führen kann beziehungsweise ob Betroffene wegen einer Hüftkopfnekrose als schwerbehindert gelten, hängt stark von Stadium und Ausmaß der individuellen Einschränkungen ab. Eine Schwerbehinderung ist möglich, aber nicht immer gegeben. Der Grad der Behinderung (GdB) variiert je nach Ausmaß der Schmerzen, nach Gehbehinderung und nach Einschränkung der Lebensqualität. Das Versorgungsamt oder das Amt für soziale Angelegenheiten legen den GdB anhand medizinischer Gutachten fest. Oft liegt der Grad der Behinderung bei einer Hüftkopfnekrose im Bereich von 20 bis 50, kann aber bei schweren Fällen auch höher ausfallen. Ein GdB von mindestens 50 gilt als Schwerbehinderung (ermöglicht einen Schwerbehindertenausweis, was steuerliche Vorteile und Nachteilsausgleiche bringt), in einigen Fällen kann aber auch schon ein niedrigerer GdB Nachteilsausgleiche ermöglichen.


Verlauf und Prognose der Hüftkopfnekrose

Verlauf und Prognose der Hüftkopfnekrose hängen stark davon ab, wie früh die Erkrankung erkannt wird. Eine Nekrose im Anfangsstadium äußert sich meist durch ziehende Schmerzen in der Leiste, die zudem in Gesäß oder Oberschenkel und Knie ausstrahlen können und bei Belastung stärker werden.

Die Erkrankung entwickelt sich in der Regel fortschreitend. Je früher die Hüftkopfnekrose erkannt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Frühe Stadien sind oft gelenkerhaltend behandelbar. In den Stadien 0 und 1 besteht zudem die Möglichkeit der Selbstheilung. In späteren Stadien ist jedoch oft ein künstliches Hüftgelenk (TEP) erforderlich. Anschließend ist in vielen Fällen wieder ein aktives, schmerzfreies Leben mit guter Beweglichkeit möglich.

So kannst du einer Hüftkopfnekrose vorbeugen

Sicher vorbeugen kannst du einer Hüftkopfnekrose nicht, doch es gibt einiges, was du tun kannst, um das Risiko ihrer Entstehung zu verringern. Dazu gehören ein bewegungsreicher und gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität sowie das Vermeiden von Übergewicht. All dies kann dazu beitragen, die Durchblutung deiner Hüftregion zu fördern und deine Knochengesundheit zu erhalten. Verzichte zudem auf Rauchen und Alkohol. Wenn du unter einer Grunderkrankung wie zum Beispiel Diabetes mellitus leidest, lass dich behandeln und deinen Arzt regelmäßig kontrollieren, ob deine Blutzuckerwerte gut eingestellt sind.

 

Folgende Arten der Bewegung unterstützen dich:

Gelenkschonender Sport wie etwa Schwimmen, Aquajogging oder Nordic Walking sowie gezieltes Kräftigen der Gesäß- und Hüftmuskulatur sowie Dehnübungen für Hüftbeuger und hintere Muskulatur können dir helfen, deine Gelenkgesundheit zu fördern.

Achtung: Hast du bei den Übungen Schmerzen, so höre sofort damit auf und hole dir ärztlichen Rat ein. Auch wenn du in deinem Alltag plötzlich unter unerklärlichen Hüftschmerzen leidest, ist es wichtig, zeitnah einen Arzt aufzusuchen (am besten einen Orthopäden), um abklären zu lassen, ob vielleicht eine Hüftkopfnekrose die Ursache ist. Je früher die Behandlung beginnt, umso vielversprechender ist sie.

Übrigens: Auch bei bereits bestehender Hüftkopfnekrose sind gelenkschonende Übungen zur Mobilisation, Dehnung und Kräftigung wichtig, um die Durchblutung zu fördern und die Gelenkflüssigkeit zu verbessern.

Fazit

Eine Hüftkopfnekrose (oder Femurkopfnekrose) ist eine ernste Erkrankung, die häufig mit starken Schmerzen und einer teils erheblichen Bewegungseinschränkung (je nach Stadium) einhergeht. Mithilfe eines gesunden Lebensstils, ausreichend gelenkschonender Bewegung und dem Vermeiden von Risikofaktoren wie etwa Alkohol und Nikotin kannst du jedoch selbst aktiv die Durchblutung deiner Hüftregion fördern. Achte zudem auf deinen Körper und lass Schmerzen im Hüftbereich, die auch in Oberschenkel oder Knie ausstrahlen können, frühzeitig von einem Arzt abklären. Denn je früher eine Hüftkopfnekrose erkannt und behandelt wird, umso größer sind die Heilungschancen. Ist deine Hüftkopfnekrose bereits weit fortgeschritten, so ist meist ein Gelenkersatz notwendig. Die gute Nachricht ist: Dadurch lässt sich deine Beweglichkeit in vielen Fällen wieder deutlich verbessern.

Oft gefragt

Mitarbeiterin bei joviva, Karin Pütz, Content Writerin
Karin Pütz
Medical Writerin
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