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Hüftdysplasie: Ursachen, Behandlung & Bandagen

Aktualisiert am 19.02.2026 |
13 Min. Lesezeit
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Einleitung

Die Hüftdysplasie ist eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Etwa zwei bis vier Prozent der Neugeborenen sind davon betroffen. Die Hüftpfanne ist zu flach ausgebildet und/oder der Pfannendachwinkel ist zu steil. Dadurch wird der Hüftkopf unzureichend überdacht und nicht sicher in der Pfanne gehalten. Dies führt zu Instabilität und Fehlbelastungen und kann, wenn die Hüftdysplasie nicht frühzeitig behandelt wird, eine vorzeitigen Hüftarthrose zur Folge haben. Auch wenn sich eine Hüftdysplasie bei Erwachsenen bemerkbar macht, handelt es sich in der Regel um eine angeborene, fehlerhafte Entwicklung der Hüftpfanne, die aber erst spät erkannt worden ist. Erfahre hier, weshalb die frühzeitige Diagnose und Behandlung einer Hüftdysplasie so wichtig sind, welche Ursachen und Risikofaktoren es gibt und wie die Erkrankung – je nach Stadium – behandelt wird:

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Begriffe „Hüftdysplasie“ und „Hüftgelenksdysplasie“ werden häufig synonym verwendet, tatsächlich gibt es jedoch einen Unterschied. Während sich der Begriff „Hüftdysplasie“ im engeren Sinne hauptsächlich auf die Fehlbildung der Hüftpfanne bezieht, ist „Hüftgelenksdysplasie“ der umfassendere Begriff für Fehlbildungen des gesamten Hüftgelenks.

  • Wird eine Dysplasie in der Hüfte frühzeitig erkannt und behandelt, so stehen die Chancen auf eine vollständige Heilung sehr gut.

  • Gut zu wissen: Wenn Hüftschmerzen in der Schwangerschaft besonders stark sind, einseitig auftreten oder mit einem Instabilitätsgefühl einhergehen, sollte eine orthopädische Abklärung erfolgen. In manchen Fällen wird erst durch die Schwangerschaft eine bisher unerkannte Hüftdysplasie oder Restdysplasie entdeckt.

  • Wenn eine Frau bereits eine Hüftdysplasie hat, kann die Schwangerschaft die Beschwerden verschlimmern. Aber längst nicht alle Hüftschmerzen in der Schwangerschaft sind durch Hüftdysplasie bedingt – meist handelt es sich um normale schwangerschaftsbedingte Veränderungen wie etwa Mutterbandschmerz oder Symphysenlockerung. Übrigens: Leistenschmerzen bei Hüftdysplasie können denen einer Schambeinentzündung ähneln.

  • Ein direkter Zusammenhang zwischen einer Hüftdysplasie und einer Beckenbodenschwäche ist wissenschaftlich nicht belegt. Theoretisch könnten veränderte Beckenstatik und muskuläre Dysbalancen bei einer Hüftdysplasie die Beckenbodenmuskulatur zwar beeinflussen, dies ist jedoch durch Studien nicht nachgewiesen.

Was ist eine Hüftdysplasie?

Eine Hüftdysplasie ist eine Fehlbildung des Hüftgelenks, bei der die Hüftpfanne (das Acetabulum im Beckenknochen) nicht richtig ausgebildet ist. Dadurch sitzt der Oberschenkelkopf (Hüftkopf, auch: Femur genannt) nicht stabil in der Gelenkpfanne. Bei Neugeborenen und Säuglingen ist dies eine der häufigsten angeborenen Skelettfehlbildungen. Die Hüftpfanne ist zu flach oder schräg, wodurch der Hüftkopf nicht ausreichend umfasst wird. Im schlimmsten Fall kann das Gelenk vollständig auskugeln (Hüftluxation). Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. In Deutschland gibt es zur Früherkennung Vorsorgeuntersuchungen (U2 und U3), bei denen die Hüften auf unterschiedliche Arten untersucht werden (U2: klinische Untersuchung, U3: Hüftultraschall-Screening).

Ursachen und Risikofaktoren für Hüftdysplasie

Eine Hüftdysplasie entsteht in der Regel aus der Kombination mehrerer Faktoren. Liegen gleich mehrere Risikofaktoren vor, so ist das Hüftultraschall-Screening bei der U3-Vorsorgeuntersuchung also besonders wichtig. Die Untersuchung findet in der Regel in der vierten bis fünften Lebenswoche statt.

Eine Übersicht der wichtigsten Ursachen und Risikofaktoren

genetische Faktoren (familiäre Vorbelastung)

  • Bei positiver Familienanamnese besteht ein um zwanzig bis dreißig Prozent erhöhtes Risiko für eine Hüftdysplasie.

 

Platzmangel in der Gebärmutter

  • Es handelt sich um eine Erstgeburt (die Gebärmutter ist enger).

  • Es handelt sich um eine Mehrlingsschwangerschaft.

  • In der Gebärmutter befindet sich während der Schwangerschaft zu wenig Fruchtwasser (Oligohydramnio).

  • Der Fötus ist sehr groß/schwer und bewegt sich wenig.

Ungünstige Lage

  • Der Fötus befindet sich in der Beckenendlage (Steißlage) – der wohl wichtigste alleinige Risikofaktor! Diese Position führt zu Druck auf die Hüftgelenke. Der Hüftkopf kann aus der Pfanne gedrückt werden. Die Hüftpfanne kann sich nicht normal entwickeln. Bänder und Kapsel werden überdehnt.

  • Auch andere Lagen, die mit ungünstigen Beinstellungen verbunden sind, können das Entstehen einer Hüftdysplasie begünstigen.

 

Hormonelle Faktoren

  • Das Hormon Relaxin, das während der Schwangerschaft produziert wird. Es lockert Bänder und Bindegewebe der Mutter und macht das Becken beweglicher für die Geburt. Das Relaxin geht jedoch auf den Fötus über und lockert Bänder und Gelenkkapsel der fetalen Hüfte – das Hüftgelenk wird instabiler und der Hüftkopf kann leichter aus der Pfanne rutschen.

  • Mädchen haben mehr Östrogenrezeptoren im Bindegewebe und reagieren empfindlicher auf Relaxin, ihre Bänder werden stärker gelockert als die Bänder bei Jungen. Darum sind Mädchen vier- bis sechsmal häufiger von einer Hüftdysplasie betroffen als Jungen.

 

Häufige Begleitfehlbildungen

Die Hüftdysplasie tritt häufig zusammen mit anderen orthopädischen Auffälligkeiten auf – meist aufgrund einer gemeinsamen mechanischen Ursache (Platzmangel in der Gebärmutter). Folgende Fehlbildungen gehören dazu:

Schiefhals

Etwa zwanzig Prozent der Kinder mit Hüftdysplasie haben auch einen Schiefhals. Ursache ist in der Regel eine Verkürzung des Kopfwenders, hervorgerufen durch Platzmangel und einseitige Druckeinwirkung.

Klumpfuß

Entsteht ebenfalls häufig durch Platzmangel in der Gebärmutter, welcher eine normale Fußentwicklung verhindert.

 Sichelfuß

Entsteht durch intrauterinen Platzmangel.

Knick-Senk-Fuß

Er kann sekundär durch eine Hüftfehlstellung entstehen oder primär zusammen mit einer Dysplasie.

Skoliose

Eine unbehandelte oder unzureichend behandelte Dysplasie kann im Laufe der Zeit über eine Beckenschiefstellung hin zu einer Skoliose führen. Die mangelhafte Überdachung des Hüftkopfes führt zu Instabilität und erhöhter Druckbelastung auf einer reduzierten Gelenkfläche. Bei einseitiger Ausprägung kann dies über Beinlängendifferenz oder Schonhaltung einen Beckenschiefstand bedingen, den die Wirbelsäule kompensatorisch durch Seitneigung auszugleichen versucht und sich krümmt. Bei der Behandlung der Skoliose spielen in der Regel Orthesen und Korsetts eine wichtige Rolle, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen im Wachstumsalter. Sie dienen dazu, die Wirbelsäulenverkrümmung zu korrigieren oder zumindest ihre Verschlechterung zu verhindern.

 

Gut zu wissen: Eine Hüftdysplasie sollte nicht verwechselt werden mit einer Epiphyseolysis capitis femoris (ECF). Folgendes sind die Unterschiede: Bei einer ECF handelt es sich um ein akutes oder chronisches Abrutschen des Hüftkopfes bei Jugendlichen während des Wachstumsschubes. Die Hüftdysplasie hingegen ist eine angeborene oder frühkindliche Fehlbildung der Hüftpfanne. Außerdem betreffen die ECF die Wachstumsfuge und die Hüftdysplasie die Pfannenform. Die ECF ist ein orthopädischer Notfall mit Schmerzen, die Hüftdysplasie hingegen verläuft oft lange symptomlos.

Wichtig: Bei Verdacht auf ECF nicht mehr auftreten und sofort ein Krankenhaus aufsuchen!

Symptome und Diagnose: Wie wird Hüftdysplasie erkannt?

Symptome und Diagnose: Wie wird Hüftdysplasie erkannt?

Bei Säuglingen zeigt die angeborene Hüftdysplasie oft keine offensichtlichen Beschwerden, weshalb die routinemäßigen Früherkennungsuntersuchungen (U2 und U3) so wichtig sind.

Mögliche Symptome einer Hüftdysplasie

  • ungleich lange Beine

  • eingeschränkte Abspreizbarkeit eines Beins

  • asymmetrische Hautfalten an Oberschenkel oder Gesäß

  • ein „Klick-Geräusch“ beim Bewegen der Hüfte

Bleibt die Hüftdysplasie bei einem Baby unbehandelt, so können beim Erlernen des Laufens Symptome wie Hinken, ein „Watschelgang“ oder ein Hohlkreuz auftreten.

So wird die Diagnose gestellt:

Die Diagnose der Hüftdysplasie erfolgt durch verschiedene Untersuchungsmethoden, die je nach Alter des Neugeborenen/Säuglings Anwendung finden.

 

Im Rahmen der U2 (findet in der Regel zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag statt) führt der Kinderarzt eine erste klinische Untersuchung der Hüftgelenke durch. Dabei werden der Ortolani-Test und der Barlow-Test angewendet, um eine mögliche Hüftinstabilität oder Luxation frühzeitig zu erkennen. Der Arzt prüft außerdem die Beweglichkeit der Hüften, achtet auf symmetrische Hautfalten an den Oberschenkeln und kontrolliert, ob beide Beine gleich lang sind und sich gleichmäßig abspreizen lassen. Ein hörbares oder spürbares Klicken bei der Bewegung der Hüfte kann ein Hinweis auf eine Instabilität sein.

Wichtig zu wissen ist, dass der Hüftultraschall in der Regel kein Bestandteil der U2 ist, sondern erst später erfolgt. In Deutschland wird das Hüftscreening per Ultraschall üblicherweise in der vierten bis sechsten Lebenswoche durchgeführt, oft im Rahmen der U3 oder als separate Untersuchung. Diese Untersuchung ist schmerzfrei, kommt ohne Strahlenbelastung aus und liefert präzise Bilder (unter anderem wird hierbei auch die Hüfte gemessen). Im Rahmen des Hüftultraschalls wird die sogenannte Graf-Klassifikation durchgeführt, bei der die Hüfte in verschiedene Typen eingeteilt wird. Sie reicht von Typ I für eine gesunde Hüfte bis hin zu Typ IV für eine ausgerenkte Hüfte.

Bei Auffälligkeiten in der klinischen Untersuchung oder bei Risikofaktoren (zum Beispiel Beckenendlage, positive Familienanamnese und weibliches Geschlecht – aber auch ein Klumpfuß beim Baby gilt als Risikofaktor) kann der Arzt eine frühere Ultraschalluntersuchung veranlassen, um eine Hüftdysplasie sicher auszuschließen oder rechtzeitig zu behandeln.

Ab etwa vier bis sechs Monaten, wenn die Verknöcherung des Hüftgelenks fortgeschritten ist, kann auch eine Röntgenuntersuchung sinnvoll sein, um die Hüftentwicklung weiter zu beurteilen und den Behandlungserfolg zu kontrollieren.

Die Früherkennung ist entscheidend – je früher behandelt wird (zum Beispiel mit einer Spreizhose), desto besser ist die Prognose für eine normale Hüftentwicklung! Eine Umstellungsosteotomie wird typischerweise frühestens bei Kleinkindern ab achtzehn Monaten, meist jedoch bei Kindern im Alter zwischen zwei und acht Jahren, durchgeführt. Bei jüngeren Kindern werden zunächst in der Regel konservative Methoden wie Spreizhosen oder Gipsbehandlungen angewandt.

Behandlungsmöglichkeiten: Konservative und operative Ansätze

Die Behandlung der Hüftdysplasie reicht von konservativen Maßnahmen wie Spreizhosen im Säuglingsalter bis hin zu operativen Umstellungen (Osteotomien) bei Jugendlichen und Erwachsenen. Ziel ist stets die Verbesserung der Überdachung des Hüftkopfes, um eine vorzeitige Arthrose zu verhindern. Früh erkannt heilen die meisten Fälle konservativ.

Konservative Behandlung bei Hüftdysplasie

Die konservative Behandlung ist bei früh erkannter Hüftdysplasie die Therapie der ersten Wahl und hat in der Regel eine Erfolgsquote von über neunzig Prozent. Das Grundprinzip aller konservativen Verfahren besteht darin, die Hüfte in der optimalen Anhock-Spreiz-Stellung zu halten – einer Position, in der die Hüften gebeugt und die Beine gespreizt sind, ähnlich wie bei einem Frosch. Durch diese Haltung wird der Hüftkopf optimal in die Pfanne positioniert, was die normale Reifung und Ausformung der Hüftpfanne stimuliert.

Die Behandlung wird je nach Schweregrad abgestuft. Bei physiologischer Unreife (Typ IIa) unter drei Monaten genügen Kontrolluntersuchungen und breites Wickeln. Bei leichten Dysplasien (Typ IIb/IIc) kommen Spreizhilfen wie das Frejka-Kissen oder Spreizhosen zum Einsatz, die in der Regel für sechs bis zwölf Wochen getragen werden. Bei mittelschweren bis schweren Formen (Typ D, III, IV) werden Spreizhosen wie die Tübinger Hüftschiene oder bei Luxationen die Pavlik-Bandage eingesetzt. Diese Hilfsmittel werden anfangs rund um die Uhr für drei bis sechs Monate getragen und halten die Beine in therapeutischer Spreizhaltung. Die Therapie erfordert regelmäßige (alle zwei bis vier Wochen) orthopädische Kontrollen mit Ultraschall, um den Behandlungsfortschritt zu überwachen.

Der Erfolg der konservativen Therapie hängt entscheidend vom Zeitpunkt der Diagnose und der konsequenten Durchführung ab. Je früher die Behandlung beginnt, umso besser sind die Ergebnisse. In den ersten Lebensmonaten ist die Hüfte noch sehr formbar, sodass sich die Pfanne bei richtiger Positionierung normal entwickeln kann. Bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung entwickelt sich die Hüfte in den meisten Fällen völlig normal, und der Säugling hat im späteren Leben keine Einschränkungen.

Operative Eingriffe bei Hüftdysplasie

Operative Eingriffe werden bei einer Hüftdysplasie notwendig, wenn die konservative Therapie nicht zum erwünschten Erfolg geführt hat, die Diagnose erst spät gestellt wird und/oder schwere Fehlstellungen vorliegen. Die Entscheidung zur Operation hängt vom Alter des Kindes, dem Schweregrad der Dysplasie und dem bisherigen Behandlungsverlauf ab. Während in den ersten Lebensmonaten fast immer konservativ behandelt werden kann, steigt der Anteil operativer Eingriffe mit zunehmendem Alter deutlich an.

 

Verschiedene Optionen je nach Alter

Bei Säuglingen und Kleinkindern bis etwa achtzehn Monaten kommt zunächst die geschlossene Reposition in Betracht, bei der der Hüftkopf unter Narkose in die Pfanne zurückgebracht und anschließend in einem Becken-Bein-Gips fixiert wird. Dieses Verfahren ist nicht invasiv, erfordert aber gelegentlich eine vorherige Weichteilentspannung durch Tenotomien (chirurgische Eingriffe, bei denen eine Sehne durchtrennt wird). Wenn die geschlossene Reposition nicht möglich ist oder die Pfanne zu steil bleibt, wird eine offene Reposition durchgeführt. Dabei wird das Hüftgelenk chirurgisch freigelegt, Hindernisse für die Einstellung des Hüftkopfes werden entfernt und die Gelenkkapsel wird gestrafft.

Bei Kleinkindern ab zwölf bis achtzehn Monaten und bei unzureichender Pfannenüberdachung sind knöcherne Umstellungsoperationen erforderlich. Die Becken-Osteotomie (Osteotomie: chirurgischer Eingriff, bei dem ein Knochen gezielt durchtrennt, geformt oder entfernt wird) korrigiert die Hüftpfanne durch gezielte Knochenumstellung, wobei je nach Alter und Schweregrad verschiedene Verfahren wie die Salter-Osteotomie, die Pemberton-Osteotomie oder die Dreifach-Becken-Osteotomie zum Einsatz kommen. Bei zusätzlichen Fehlstellungen am Oberschenkelknochen kann eine Femur-Osteotomie notwendig sein, um den Schenkelhalswinkel zu korrigieren. Diese Operationen werden meist ab dem zweiten Lebensjahr durchgeführt und erfordern eine mehrwöchige Nachbehandlung mit Gipsruhigstellung und anschließender Physiotherapie.

 

Prognose

Die Prognose operativer Eingriffe ist umso besser, je jünger das Kind ist und je weniger fortgeschritten die Veränderungen sind. Bei rechtzeitiger Operation können auch schwere Dysplasien erfolgreich behandelt werden, sodass eine normale Hüftfunktion erreicht wird. Allerdings bleibt bei sehr spät operierten Fällen ein erhöhtes Risiko für eine frühe Arthrose bestehen. Die Nachbehandlung ist intensiv und erfordert engmaschige Kontrollen, Physiotherapie und teilweise Gipsruhigstellung mit anschließendem schrittweisen Belastungsaufbau über mehrere Wochen bis Monate.

Morbus Perthes und Hüftdysplasie: Ein Überblick

Morbus Perthes und Hüftdysplasie sind zwei verschiedene Hüfterkrankungen bei Kindern, die jedoch beide unbehandelt zu Langzeitschäden führen können.

 

Hüftdysplasie

Hierbei handelt es sich um eine angeborene Fehlentwicklung des Hüftgelenks, bei der die Hüftpfanne zu flach oder zu steil ist und den Hüftkopf nicht ausreichend überdacht. Sie ist bereits bei der Geburt vorhanden und wird in vielen Fällen durch das Hüftscreening in den ersten Lebenswochen erkannt. Die Behandlung erfolgt meist konservativ mit Spreizhilfen oder bei schweren Fällen operativ.

 

Morbus Perthes

Morbus Perthes hingegen ist eine aseptische Knochennekrose des Hüftkopfes, die durch eine Durchblutungsstörung verursacht wird. Sie tritt typischerweise bei Kindern im Alter von vier bis acht Jahren auf, betrifft häufiger Jungen als Mädchen und entwickelt sich deutlich später als die Hüftdysplasie. Der Hüftkopf stirbt teilweise ab und baut sich im Verlauf von zwei bis vier Jahren meist wieder auf, kann aber deformiert bleiben.

 

Gemeinsamkeiten

Beide Erkrankungen können unabhängig voneinander auftreten, betreffen jedoch dasselbe Gelenk und können beide zu einer frühen Hüftarthrose im Erwachsenenalter führen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden. In seltenen Fällen kann eine bestehende Hüftdysplasie das Risiko für Durchblutungsstörungen erhöhen. Die Behandlung beider Erkrankungen zielt darauf ab, die Form und Funktion des Hüftgelenks zu erhalten und Spätfolgen zu vermeiden.

Hüftinstabilität bei Zerebralparese: Spezifische Herausforderungen

Hüftinstabilität bei Zerebralparese (auch: Cerebralparese oder kurz: CP) bedeutet, dass sich die Hüftgelenke nicht normal entwickeln oder sich in ihrer Position verändern – dies ist eine häufige Komplikation bei Kindern mit Zerebralparese.

Bei Zerebralparese (eine Bewegungsstörung durch frühkindliche Hirnschädigung, wird häufig synonym mit „infantiler Zerebralparese“ verwendet, wobei dieser Begriff als veraltet gilt) führt die gestörte Muskelspannung und Bewegungskontrolle dazu, dass die Muskeln um die Hüfte herum unausgeglichen arbeiten. Dadurch kann der Hüftkopf aus der Hüftpfanne wandern – was zu einer leichten Fehlstellung bis hin zu einer kompletten Ausrenkung (Luxation) führen kann.

Das Problem entwickelt sich meist schleichend: Die dauerhaft erhöhte Muskelspannung (Spastik) zieht den Oberschenkelknochen in eine ungünstige Position, und je weniger ein Kind laufen oder stehen kann, desto höher ist das Risiko. Bei Kindern, die nicht selbstständig gehen können, liegt das Risiko für Hüftprobleme bei sechzig bis neunzig Prozent.

Deshalb werden Kinder mit Zerebralparese regelmäßig orthopädisch untersucht – durch körperliche Untersuchungen und Röntgenbilder. Früh erkannt kann man oft mit Physiotherapie, Botox-Injektionen oder speziellen Hilfsmitteln gegensteuern. In fortgeschrittenen Fällen können Operationen notwendig sein, um Schmerzen zu verhindern und die Funktion der Hüfte zu erhalten.

 

Die wichtigsten Punkte in einer Übersicht

Symptome der Hüftinstabilität bei Zerebralparese

  • Schmerzen

  • eingeschränkte Beweglichkeit

  • Beckenschiefstand

  • Probleme bei der Sitz- und Stehfähigkeit

  • Schwierigkeiten bei der Pflege (Hygiene)

Diagnose

  • Regelmäßige radiologische Kontrollen (Beckenübersicht) sind zwingend erforderlich, um eine Subluxation (teilweise Ausrenkung) oder Luxation (vollständige Ausrenkung) frühzeitig zu erkennen.

 

Behandlung

  • konservativ: Physiotherapie, Sitzschalenversorgung, Stehständer zur Gewichtsbelastung und Förderung der Hüftentwicklung

  • operativ: Muskelverlängerungen, knöcherne Korrekturen (beispielsweise eine Beckenosteotomie), um die Hüfte wieder zu rezentrieren).

 

Reha-Maßnahmen

  • Nach einer Operation wegen Hüftinstabilität folgt in der Regel eine mehrmonatige gezielte Physiotherapie zur Wiederherstellung der Mobilität. Ziel ist es, die Beweglichkeit des Hüftgelenks wiederherzustellen, die umliegende Muskulatur zu stärken und bei gehfähigen Kindern die Gangfunktion zu verbessern.

 

Hilfsmittelversorgung

  • Bandagen und Hüftorthesen (zum Beispiel dynamische Hüftabspreizorthesen) können bei Hüftinstabilität unterstützend eingesetzt werden, um die durch die Spastik verursachten Fehlstellungen zu korrigieren und die Hüftpfannenentwicklung zu fördern. Sie fixieren das Gelenk in der optimalen Anhock-Spreiz-Haltung (M-Position), stabilisieren das Sitzen/Stehen und fördern die Aufrichtung.

 

Spastikmanagement

  • Begleitende Therapien wie Botulinumtoxin können eingesetzt werden, um die spastisch überaktive Muskulatur zu hemmen und operative Eingriffe zu verzögern oder zu unterstützen.

Die Rolle von Bandagen in der Nachbehandlung von Hüftdysplasie

Bandagen und Spreizhilfen spielen eine zentrale Rolle in der Nachbehandlung einer Hüftdysplasie, insbesondere nach konservativen oder operativen Therapien. Sie dienen dazu, die Hüfte in einer günstigen Position zu halten und die normale Entwicklung des Hüftgelenks zu unterstützen.

Nach konservativer Behandlung einer Dysplasie oder nach geschlossener Reposition einer Luxation wird häufig eine Spreizhose oder eine Spreizschiene eingesetzt. Zu den gängigsten Modellen gehören die Tübinger Hüftbeugeschiene oder die Pavlik-Bandage. Diese Hilfsmittel halten die Beine des Babys in einer gespreizten und gebeugten Position, der sogenannten Anhock-Spreiz-Stellung. In dieser Position sitzt der Hüftkopf optimal in der Hüftpfanne, was die Verknöcherung und Ausreifung des Pfannendachs fördert.

Tragedauer

Die Tragedauer richtet sich nach dem Schweregrad der Dysplasie und dem Behandlungsverlauf. Bei leichten Formen können wenige Wochen ausreichen, während bei schwereren Dysplasien die Bandage in der Regel über mehrere Monate getragen werden muss, meist dreiundzwanzig Stunden täglich. Dann wird schrittweise reduziert. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen mittels Ultraschall oder Röntgen überprüfen den Heilungsverlauf und entscheiden über die weitere Tragedauer. Auswahl und Tragedauer der Bandagen werden vom behandelnden Orthopäden individuell festgelegt und hängen stark vom Heilungsverlauf ab.

Nach operativen Eingriffen wie einer Umstellungsosteotomie wird zunächst oft ein Becken-Bein-Gips angelegt. Anschließend erfolgt ein schrittweiser Belastungsaufbau unter physiotherapeutischer Begleitung, um die Muskulatur zu kräftigen und die Beweglichkeit wiederherzustellen.

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Prävention und Langzeitpflege

Die Prävention der Hüftdysplasie beginnt bereits vor der Geburt mit dem Erkennen von Risikofaktoren wie etwa einer Beckenendlage oder familiärer Vorbelastung. Nach der Geburt ist das wichtigste präventive Element das Hüftscreening, das in Deutschland standardmäßig zwischen der vierten und sechsten Lebenswoche durchgeführt wird.

Im Alltag können Eltern die gesunde Hüftentwicklung unterstützen, indem sie das Baby in der Anhock-Spreiz-Haltung tragen und enge Wickeltechniken vermeiden, die die Beine zusammenpressen. Tragehilfen sollten die natürliche Beinhaltung ermöglichen, bei der die Knie höher als das Gesäß positioniert sind.

Langzeitpflege

Nach einer Behandlung der Hüftdysplasie ist eine langfristige Nachsorge wichtig, auch wenn die akute Behandlung erfolgreich war. Regelmäßige orthopädische Kontrollen überwachen die Hüftentwicklung während des Wachstums, da sich in seltenen Fällen auch nach erfolgreicher Frühbehandlung später noch Probleme entwickeln können. Physiotherapie kann die Muskulatur stärken und die Beweglichkeit fördern. Bei Erwachsenen mit behandelter Hüftdysplasie in der Kindheit ist auf hüftschonende Bewegungen zu achten, und es sollten regelmäßige Kontrollen erfolgen, da ein erhöhtes Risiko für eine frühe Hüftarthrose besteht. Moderate Bewegung und Gewichtskontrolle helfen, die Hüftgelenke langfristig zu schonen. Bei Beschwerden wie Schmerzen oder eingeschränkter Beweglichkeit sollte frühzeitig ein Orthopäde konsultiert werden, der die individuelle Situation beurteilen und einen passenden Behandlungsplan erstellen kann. Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen können Verschlechterungen frühzeitig erkannt werden.

Fazit

Die Hüftdysplasie ist eine der häufigsten angeborenen Skelettfehlbildungen, doch bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung ist die Prognose sehr gut. Je früher die Hüftdysplasie erkannt wird, umso einfacher und erfolgreicher ist die Behandlung. Bei leichten Formen reicht in vielen Fällen schon das Tragen einer Spreizhose für wenige Wochen oder Monate aus. Unbehandelt kann eine Hüftdysplasie allerdings zu schwerwiegenden Langzeitfolgen führen, darunter Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und frühe Hüftgelenksarthrose im Erwachsenenalter. Moderne Behandlungsmethoden – von konservativen Ansätzen bis hin zu operativen Korrekturen in schweren Fällen – ermöglichen Betroffenen heute jedoch meist eine normale Hüftentwicklung und damit in der Regel eine gute Lebensqualität. Dabei ist die engmaschige Nachsorge und die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Kinderärzten, Orthopäden und Physiotherapeuten entscheidend für den langfristigen Behandlungserfolg.

Oft gefragt

Mitarbeiterin bei joviva, Karin Pütz, Content Writerin
Karin Pütz
Medical Writerin
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