Krankheit Erfahrungsbericht

Nach meiner Brustkrebs-Therapie fühle ich mich stärker als zuvor

Karin Pütz
Karin Pütz6.10.2026 • Lesedauer: 8 Min.
Woman with short gray hair holding a mug, gazing out a window in a cozy living room with plants and bookshelves.

Wie die Brustkrebsdiagnose mich und mein Leben verändert hat

Mein Name ist Tanja. Meine Brustkrebsdiagnose wurde bei einer Früherkennungsuntersuchung entdeckt. Ich selbst hätte den kleinen Knoten in meiner linken Brust niemals ertastet. Auch sonst waren mir keine Veränderungen an meiner Brust aufgefallen. Ich war damals 48 Jahre alt. Wegen einer gewissen familiären Vorbelastung ging ich auf Anraten meines Arztes seit meinem 45. Geburtstag etwa alle zwei Jahre zur Mammografie. Doch dass bei mir tatsächlich eine bösartige Veränderung festgestellt würde – das hätte ich niemals gedacht. Dies ist meine Geschichte:

Entdeckt bei einem Routinetermin – und die Chance, früh zu handeln

Beschwerden hatte ich keine. Ich fühlte mich gesund, stand mitten im Leben, war sehr aktiv – Familie, Freunde und Job unter einen Hut zu bringen, war gar nicht so einfach. Und wegen meiner chronischen Zeitnot hätte ich den Routinetermin für eine Mammografie beinahe sogar abgesagt. Zum Glück tat ich das nicht …

 

Zuerst dachte ich mir nichts dabei, als mein Arzt plötzlich ganz still wurde, während er die Bilder anschaute. Dann hörte ich den Satz, den ich nie mehr vergessen werde: „Da ist etwas, das wir uns genauer anschauen sollten.“ Erst folgte eine Biopsie, dann das Warten auf das Ergebnis. Diese Tage waren furchtbar. Die andauernde Ungewissheit und das ständige Gedankenkarussell zerrten an meinen Nerven.

 

Dann kam das Arztgespräch. Als mein Arzt das Wort „Brustkrebs“ aussprach, kam das kaum bei mir an. Es fühlte sich surreal an. Die Stimme des Arztes klang weit weg, in meinen Ohren rauschte es. Ich nickte, stellte kaum Fragen und steckte die Info-Broschüre, die mir der Arzt aushändigte, ein, ohne es wirklich zu merken.

 

Auf dem Heimweg sah ich Menschen, die mit Einkaufstaschen an mir vorbeihasteten und Kinder, die lachend Ball spielten. Wie kann alles um mich herum so normal aussehen?, dachte ich. Wo sich für mich doch gerade alles verändert hat?

 

Erst am Abend kamen die Tränen. Ich weinte lange, aber irgendwann in dieser Nacht fasste ich einen Entschluss. Ich will kämpfen!

Wie sage ich es meinem Mann und den Kindern?

Erst jetzt fühlte ich mich bereit, mit meiner Familie über meine Erkrankung zu sprechen. Aber wie sollte ich es ihnen sagen? Wie viel durfte ich ihnen zumuten? Meine Kinder waren acht und zehn Jahre alt. Ich wollte sie beschützen und wusste doch, dass ich ihnen die Wahrheit nicht ersparen konnte. Langfristig ließe sie sich ohnehin nicht vor ihnen verbergen.

 

Zuerst sprach ich mit meinem Mann. Er nahm mich in die Arme und sagte dann: „Wir schaffen das gemeinsam.“ Dieser Satz hat mich durch viele schwere Tage getragen.

 

Dann waren die Kinder an der Reihe. Ich erklärte ihnen, dass ich krank bin und dass die Ärzte alles dafür tun, damit es mir wieder besser geht. Die Kinder hatten viele Fragen. Aber es entstand auch eine ganz neue Nähe zwischen uns. Ich habe gemerkt: Ehrlichkeit tut allen gut, auch den Kindern. Rückblickend kann ich sogar sagen: Durch meine Brustkrebserkrankung sind wir als Familie enger zusammengewachsen. Wir sprechen mehr miteinander und nehmen uns Zeit füreinander. Wir sagen uns öfter, wie wichtig wir einander sind.

Mein persönlicher Behandlungsweg

Meine linke Brust wurde entfernt. Wegen meiner familiären Vorbelastung riet mir mein Arzt zu diesem Schritt. Ich hatte große Angst vor der Operation und auch davor, wie mein Körper danach aussehen würde. Als ich dann aus der Narkose aufwachte, war ich vor allem erleichtert. Ich hatte es geschafft, der Tumor war raus. Ich fühlte mich noch sehr schwach – aber auch stolz. Dieser Schritt war geschafft!

 

Die Chemotherapie, die folgte, habe ich persönlich als die wohl schwierigste Zeit empfunden. Ständige Erschöpfung, gepaart mit Übelkeit (gegen die ich dann zum Glück von meinem Arzt Tabletten bekam), haben mich an meine Grenzen gebracht. Manchmal war ich traurig, manchmal wütend auf meinen Körper und manchmal empfand ich einfach nur tiefe Leere.

 

Doch nach und nach lernte ich, auf meinen Körper zu hören. An guten Tagen ging ich an die frische Luft. An schlechten Tagen blieb ich im Bett, um mich auszuruhen. Mir halfen kleine Rituale: eine warme Decke, meine Lieblingsmusik und ein Kalender, in dem ich jeden Zyklus der Chemotherapie abhakte. Mit jedem Häkchen kam ich meinem Ziel – stärker zu sein als die Krankheit – ein Stückchen näher. Das gab mir Zuversicht und neuen Mut.

 

Mit der Hormontherapie (mein Tumor war hormonempfindlich, die Therapie dauert meist mehrere Jahre) und der Nachsorge kehrte langsam der Alltag in mein Leben zurück. Natürlich freute ich mich darüber, aber ich spürte auch Unsicherheit. Auf einmal war der enge Rhythmus der Termine vorbei, und ich musste neu lernen, meinem Körper zu vertrauen. Das ging nicht von heute auf morgen. Geduld mit mir selbst zu haben, ist mir nicht leichtgefallen. Aber ich habe jeden Fortschritt gefeiert.

Mein neuer Körper

Nach der Operation und der Therapie dauerte es etwas, bis ich meinen neuen Körper annehmen konnte. Damals sah ich dort, wo meine Brust gewesen war, eine flache Seite und eine lange Narbe. Doch ich sagte mir: „Dieser Körper hat mich durch eine schwere Zeit getragen. Er hat für mich gekämpft.“

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Die Prothese: Ein Stück Sicherheit

Nach der Operation hatte ich zuerst ein weiches Kissen für meinen BH bekommen. Es war leicht und schonend für die Wunde. Nach der Heilung ging ich ins Sanitätshaus, um mich zu einer Silikonprothese beraten zu lassen. Ich hatte Angst vor diesem Termin, doch die Beraterin war so einfühlsam, dass ich mich schnell wohlfühlte.

 

Wir probierten verschiedene Formen, Größen und Gewichte aus. Die Prothese wurde genau an meinen Körper angepasst, und auch spezielle BHs mit Einlegetasche gibt es in vielen schönen Varianten. Ich war überrascht, wie natürlich sich die Prothese anfühlte. Dass ich sie tragen konnte, schenkte mir ein Stück Alltagssicherheit zurück. Ich konnte wieder meine Lieblingsblusen anziehen und mich in der Öffentlichkeit wohlfühlen. Nicht jeder sollte immer direkt sehen können, dass ich Brustkrebs hatte. Insofern half mir die Prothese, an Tagen, an denen ich nicht damit konfrontiert werden wollte, meine Krankheit für mich zu behalten. Aber es gab auch Tage, an denen ich die Prothese gar nicht trug. Auch das war für mich irgendwann völlig in Ordnung. Alles in allem war die Prothese für mich bis zum Wiederaufbau meiner linken Brust eine gute Option und eine große Hilfe.

Der Wiederaufbau: Meine Entscheidung

Schon vor der Operation sprach mein Arzt mit mir über den möglichen Wiederaufbau meiner Brust. Ich erfuhr, dass es dafür mehrere Wege gibt: den Aufbau mit einem Implantat oder mit körpereigenem Gewebe. Man kann ihn direkt bei der Brustentfernung machen (dazu war ich nicht bereit) oder auch erst später, wenn die Behandlung abgeschlossen ist. Ich habe mich umfassend informiert, mir eine Zweitmeinung eingeholt und mich in Ruhe beraten lassen. Mit der Entscheidung habe ich mir viel Zeit gelassen. Mir hat geholfen zu wissen: Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Letztlich habe ich mich für einen Wiederaufbau mit körpereigenem Gewebe entschieden und dieser ist inzwischen erfolgt.

A woman with short gray hair sitting on a park bench, smiling at a fluffy white and black dog with its paws on her lap.

Heute: Ich bin ganz ich

Heute, zwei Jahre nach der Diagnose, betrachte ich meinen Körper mit anderen Augen als vor meiner Erkrankung. Ich fühle mich in meinem Körper wieder zu Hause. Er erzählt eine Geschichte von Angst und Mut, von Kampf und Heilung. Manchmal lächle ich meinem Spiegelbild sogar zu. Ich bin nicht mehr dieselbe wie vor dem Brustkrebs, aber ich bin und fühle mich vollständig. Ich definiere mich nicht über meine Brust, sondern über das, was mich ausmacht: meine Stärke, meine Liebe und meine Lebensfreude.

Die Angst vor dem Wiederauftreten der Erkrankung und wie ich mit ihr lebe

Die Angst davor, dass der Krebs vielleicht zurückkommt oder Metastasen bildet, kommt immer mal wieder auf. Besonders vor den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen ist das der Fall.

 

Aber ich tue alles, um die Angst nicht mein Leben beherrschen zu lassen. Sie darf da sein, aber sie darf nicht meine Entscheidungen bestimmen – oder mir gar die Freude am Leben nehmen. Wenn ich spüre, die Angst ist wieder da, rufe ich mir in Erinnerung, wie viel ich schon geschafft habe. Und ich freue mich an den kleinen Dingen, die mir Momente des Glücks schenken: Das kann ein Spaziergang sein, eine Umarmung meiner Kinder oder meines Mannes oder einfach mein Lieblingslied im Radio, bei dem ich mitsinge. Generell versuche ich jetzt, mehr im Hier und Jetzt zu leben, den Augenblick zu genießen. Darüber bin ich sehr froh.

 

Außerdem haben sich meine Prioritäten verschoben. Termindruck und Perfektionismus sind für mich nicht mehr wichtig und ich versuche, mich nicht mehr über Kleinigkeiten aufzuregen. Stattdessen nehme ich mir Zeit für alles, was mir guttut – meine Familie, Freunde und die Natur.

Was ich dir gerne mitgeben möchte

Die Diagnose war der bisher härteste Einschnitt in meinem Leben. Ich wünsche sie niemandem. Aber sie hat mir auch neue Lebenskraft geschenkt. Ich bin mutiger, dankbarer und bewusster geworden. Und ich weiß heute, wie stark ich sein kann.

 

Wenn du gerade selbst den Weg gehen musst, den ich gegangen bin, dann hole dir Unterstützung. Wende dich an deine Familie, an Freunde, sprich mit Ärzten und suche dir eine Selbsthilfegruppe. Die Gespräche mit anderen Betroffenen können sehr wertvoll sein. Und feiere jeden kleinen Schritt, denn jeder zählt. Es wird schwere Tage geben, aber auch Tage, die dich überraschen und dir Kraft schenken. Du schaffst mehr, als du denkst!

Anlaufstellen, an die du dich bei Brustkrebs wenden kannst

Medizinische Beratung & Information

  • Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums: kostenlose, wissenschaftlich fundierte Beratung, telefonisch unter 0800 420 30 40 täglich von 8 bis 20 Uhr erreichbar, außerdem per E-Mail.

  • Deutsche Krebshilfe: Sie bietet aktuelles, wissenschaftlich basiertes Infomaterial und Ratgeber, die du bestellen oder herunterladen kannst.

  • Zertifizierte Brustzentren: Hier findest du spezialisierte Ärzte für Diagnose und Behandlung – dein Gynäkologe kann dich dorthin überweisen.

  • Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD):  Sie berät kostenfrei, neutral und unabhängig zu Gesundheitsfragen und Patientenrechten. Kostenlose Hotline: 0800 011 77 22; Website: patientenberatung.de

 

Psychosoziale Unterstützung

  • Krebsberatungsstellen vor Ort: Es gibt sie in vielen Städten, oft kostenlos – eine gute Anlaufstelle für emotionale Unterstützung, auch für Angehörige.

  • Frauenselbsthilfe Krebs Bundesverband e.V.: Eine der ältesten und größten Selbsthilfeorganisationen in Deutschland – der Austausch mit anderen Betroffenen tut vielen richtig gut.

 

Spezielle Angebote

  • Netzwerk Männer mit Brustkrebs e.V.: Falls du als Mann betroffen bist, gibt es auch für dich eine eigene Anlaufstelle.

  • Psychoonkologische Beratung: Viele Kliniken bieten diese direkt an – frag einfach danach.

Die geschilderten medizinischen Sachverhalte sind nicht oder nur bedingt als Ratschläge oder Empfehlungen zu verstehen und ersetzen in keinem Fall den Besuch bei einem Arzt, in einem Sanitätshaus oder die eigene sorgfältige Recherche. Für die Inhalte verlinkter Internetseiten sind ausschließlich die jeweiligen Betreiber bzw. Verfasser verantwortlich. Veröffentlichte Bilder stellen das Eigentum des Verfassers dar. Zwecks optimierter Lesbarkeit wird in der Regel die männliche Form verwendet. Die weibliche Form ist dabei selbstverständlich – wenn sinnvoll – eingeschlossen.

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