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135-Grad-Lagerung: Ziele, Durchführung & Hilfsmittel
Einleitung
Eine fachgerechte Lagerung ist die Grundlage für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen, die aufgrund von Immobilität oder eingeschränkter Wahrnehmung einen Großteil des Tages im Liegen verbringen (beispielsweise nach einem Schlaganfall, aufgrund von Multipler Sklerose, Parkinson oder Demenz). Die 135-Grad-Lagerung hat sich dabei als eine der wirkungsvollsten Techniken erwiesen, um schmerzhafte Druckstellen und Hautschäden durch dauerhafte Belastung zu vermeiden oder bei bestehenden Druckstellen für Freilagerung zu sorgen. Erfahre hier, wie die 135-Grad-Lagerung funktioniert, welche Hilfsmittel sich dazu eignen und wie sie zur effektiven Entlastung gefährdeter Körperstellen beiträgt.
Die 135-Grad-Lagerung sorgt dafür, dass der Rücken frei liegt, da das Körpergewicht auf den gut gepolsterten Gewebeflächen von Brust und Oberschenkel ruht. So werden insbesondere gefährdete Körperstellen wie Steißbein, Kreuzbein, Hüfte und Fersen vor der Entstehung von Druckstellen geschützt.
Bei bereits vorhandenen Druckstellen ermöglicht diese Methode entscheidende Fortschritte im Heilungsprozess, da die betroffenen Areale durch die komplette Freilagerung sofort und konsequent vom Druck befreit werden.
Durch die Vorneigung wird zudem eine hohe Stabilität erreicht, die eine sicherere Positionierung ermöglicht als die herkömmliche 90-Grad-Seitenlage.
Die konsequente Anwendung der 135-Grad-Lagerung kann in vielen Fällen verhindern, dass sich ein Dekubitus Grad 1 – erkennbar an einer nicht wegdrückbaren Hautrötung – zu einem Dekubitus Grad 2 mit bereits geschädigter Haut weiterentwickelt. Besonders bei Patienten, die bereits einen Dekubitus Grad 4 mit tiefreichenden Gewebeschäden aufweisen, ist die korrekte Durchführung der 135-Grad-Lagerung essenziell, um eine weitere Verschlimmerung zu verhindern und die Wundheilung zu unterstützen.
Im Gegensatz zur Oberkörperhochlagerung, die zwar die Atmung unterstützt, aber im Steißbereich erhöhte Scherkräfte erzeugen kann, bietet die 135-Grad-Lagerung eine schonendere Alternative, die Druckentlastung und Patientenkomfort besser miteinander verbindet.
Was ist die 135-Grad-Lagerung?
Die 135-Grad-Lagerung ist eine spezielle Form der Seitenlagerung, bei der die zu lagernde Person fast in die Bauchlage gebracht wird, ohne dass dabei die Atmung eingeschränkt wird. Während man bei einer normalen Seitenlage oft instabil direkt auf dem Hüftknochen liegt, wird der Körper bei der 135-Grad-Lagerung so weit geneigt, dass das Hauptgewicht auf den gut gepolsterten Gewebeflächen von Brust oder Oberschenkel ruht.
Das sind die Ziele dieser Lagerungsmethode
Die 135-Grad-Lagerung verfolgt in der pflegerischen Praxis mehrere zentrale Ziele, die sowohl der Vorbeugung von Komplikationen als auch dem Wohlbefinden des Patienten dienen:
Dekubitusprophylaxe
Druckentlastung gefährdeter Körperstellen wie Steißbein, Kreuzbein, Hüfte und Fersen
Komplikationsprophylaxe
Vorbeugung von Pneumonie, Thrombose und Kontrakturen durch regelmäßigen Positionswechsel
Atemförderung
Unterstützung der Lungenbelüftung bei immobilen Patienten; bei Lungenerkrankungen kann das Abhusten von Sekret in dieser Position leichter fallen
Komfort und Wohlbefinden
schmerzarme, stabile Positionierung, die in vielen Fällen einer natürlichen Schlafposition entspricht und besonders in der Palliativpflege von Bedeutung ist
Was sind die Vorteile der 135-Grad-Lagerung gegenüber anderen Methoden?
Im Vergleich zur 90-Grad-Seitenlage und zur Oberkörperhochlagerung bietet die 135-Grad-Lagerung mehrere entscheidende Vorteile:
Großflächige Druckverteilung
Das Körpergewicht ruht auf den gut gepolsterten Gewebeflächen von Brust und Oberschenkel, wodurch der Druck pro Quadratzentimeter deutlich sinkt (Dekubitusprophylaxe).
Minimierung von Scherkräften
Es entstehen erheblich weniger gewebeschädigende Scher- und Reibungskräfte als in der 90-Grad-Seitenlage, was das Risiko tiefer Gewebeschäden reduziert.
Verbesserte Mikrozirkulation
Die Durchblutung des entlasteten Gewebes wird gefördert, was die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Haut verbessert und die Wundheilung unterstützt.
Hohe Lagerungsstabilität
Mithilfe von Lagerungskissen oder einer Lagerungsschlange lässt sich die Position gut fixieren, sodass der Patient nicht zurückrollt.
Kombinierbarkeit mit Mikrolagerung
Kleine, ergänzende Positionsveränderungen können zusätzlich eingesetzt werden, ohne den Patienten stark zu belasten.
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So wird die 135-Grad-Lagerung durchgeführt
Bitte beachte, dass ein Positionswechsel nach Möglichkeit nur von geschultem Fachpersonal oder nach ausführlicher Einweisung durch eine Pflegefachkraft durchgeführt werden sollte, um Verletzungen zu vermeiden! Dies ist die übliche Vorgehensweise:
Vorbereitung
Wenn möglich, das Bett auf eine rückenfreundliche Arbeitshöhe einstellen und Lagerungsmaterial bereitlegen. Du solltest lediglich ein kleines, dünnes Kopfkissen verwenden. Informiere die zu lagernde Person über dein Vorgehen.
Ausgangslage
Positioniere die zu lagernde Person auf dem Rücken bettkantennah. Schiebe den zur Bettmitte liegenden Arm leicht unter die Hüfte. Die Handfläche zeigt nach oben und berührt das Gesäß.
Kissen platzieren
Lege eine Lagerungsschlange entlang des Bauches und des Brustkorbes. Steht keine Lagerungsschlange zur Verfügung, lässt sich die Technik auch mit zwei einzelnen Kissen umsetzen: Platziere das erste Kissen auf Höhe des Oberkörpers und das zweite so, dass es Hüfte und Oberschenkel stützt.
Positionierung
Die Person sanft zur Seite auf das Kissen drehen, bis der Winkel etwa 135 Grad erreicht. Ziehe anschließend die unten liegende Schulter und den unteren Arm vorsichtig heraus, sodass dieser locker hinter dem Körper liegt.
Beine lagern
Winkle das obere Bein leicht an und stütze es ebenfalls durch ein Kissen, um Druck auf das Knie zu vermeiden.
Kontrolle
Prüfe, ob der Rücken frei liegt und keine Falten im Laken Druckstellen verursachen können. Kontrolliere außerdem regelmäßig die für diese Lagerungsposition typischen Druckpunkte: das Ohr und die Wange auf der aufliegenden Seite, die Schulter und den Ellenbogen des unten liegenden Arms, den Brustkorb sowie die Knie, Knöchel und Fersen.
Was gibt es bei der Nachbereitung zu beachten?
Nach der Lagerung solltest du die Haut an den zuvor belasteten Stellen kontrollieren. Zeigen sich Rötungen, die nach der Entlastung nicht verschwinden, so können dies Anzeichen von Druckstellen sein, die sich ein Arzt umgehend anschauen sollte.
Dokumentiere außerdem die Liegezeit, um den nächsten Positionswechsel (sollte in der Regel nach zwei bis vier Stunden stattfinden) rechtzeitig planen zu können.
Wichtig: Achte unbedingt auf Veränderungen wie Unwohlsein oder Schmerzäußerungen der betroffenen Person.
Typische Herausforderungen bei der 135-Grad-Lagerung
Die 135-Grad-Lagerung bietet zwar Vorteile bei der Druckverteilung, bringt in der Praxis jedoch einige Herausforderungen mit sich. So ist die korrekte Durchführung technisch anspruchsvoller als die 30-Grad-Schräglage und erfordert gut geschultes Pflegepersonal. Werden geeignete Hilfsmittel wie Lagerungsschlangen oder Keilkissen konsequent eingesetzt, lässt sich eine hohe Positionsstabilität erreichen. Ohne diese Hilfsmittel ist der exakte Winkel jedoch schwer einzuschätzen, was die Reproduzierbarkeit der Lagerung erheblich erschwert.
Auch der Patientenkomfort spielt eine wichtige Rolle: Einige Patienten empfinden die Position vor allem bei erstmaliger Anwendung als unangenehm oder ungewohnt, besonders bei längerer Liegedauer. Bei regelmäßiger Anwendung jedoch wird die 135-Grad-Lagerung oft als angenehm wahrgenommen – ähnlich einer natürlichen Schlafposition. Dennoch gilt: Menschen mit akuter Atemnot oder schwerer respiratorischer Insuffizienz, Schmerzen oder Kontrakturen können diese Art der Lagerung häufig nur schlecht tolerieren, wodurch das Risiko steigt, dass sie ihre Lagerung selbstständig verändern.
Darüber hinaus bestehen bei bestimmten Erkrankungen – etwa frischen Wirbeloperationen, instabilen Frakturen oder bestimmten Herzerkrankungen – Kontraindikationen. Auch Drainageschläuche, Katheter und andere medizinische Leitungen können durch die Position unter Spannung geraten oder abknicken.
Schließlich ist die 135-Grad-Lagerung in internationalen Leitlinien weniger gut belegt als die 30-Grad-Schräglage, was ihre Anwendung im klinischen Alltag zusätzlich erschwert. Sie sollte daher nicht als universeller Ersatz, sondern als ergänzende Option verstanden werden, die situativ und patientenindividuell – stets verbunden mit einer sorgfältigen Risikoabwägung und Dokumentation – eingesetzt wird.
Welche Hilfsmittel eignen sich für die 135-Grad-Lagerung?
Die richtigen Hilfsmittel sind für eine professionelle und wirkungsvolle Lagerung von großer Bedeutung. Folgende sind empfehlenswert:
Lagerungsschlangen sind ideal, um den Körper großflächig zu stützen.
Keilkissen helfen dabei, den Neigungswinkel stabil zu halten.
Kissen unterschiedlicher Größen eignen sich zum Polstern von Knien und Knöcheln.
Gleitlaken können die Positionierung des Betroffenen für die Pflegeperson erheblich erleichtern.
Du kannst dich zu den geeigneten Hilfsmitteln auch jederzeit in einem Sanitätshaus beraten lassen.
Wichtig für dich zu wissen: Die für diese und andere Lagerungen notwendigen Materialien sind im Hilfsmittelverzeichnis als „Hilfsmittel gegen Dekubitus“ gelistet. Sofern die medizinische Notwendigkeit vorliegt, zum Beispiel zur Behandlung bestehender Druckstellen oder bei einem hohen Risiko für deren Entstehung, können diese Produkte ärztlich verordnet werden. In diesem Fall sind sie grundsätzlich durch die Krankenkassen erstattungsfähig, sodass die Kosten übernommen werden können.
Fazit
Die 135-Grad-Lagerung ist eine sehr wirkungsvolle Technik, um Druckschmerzen und Hautschäden zu vermeiden, die durch zu langes Liegen ansonsten entstehen können. Zudem können bestehende Druckgeschwüre entlastet werden. Mit den richtigen Hilfsmitteln und entsprechender Übung verschafft die 135-Grad-Lagerung also vielen Menschen, die die meiste Zeit des Tages liegen müssen, eine enorme Erleichterung, bietet aktiven Hautschutz und damit mehr Lebensqualität.
Oft gefragt
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