Ältere Person mit Dysphagie trinkt Wasser während einer Mahlzeit

Einleitung

Schlucken ist für die meisten Menschen eine Selbstverständlichkeit. Für mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland – so schätzen Fachleute – ist es das jedoch nicht mehr. Sie leben mit einer Dysphagie, einer Schluckstörung, die den Alltag oft tiefgreifend belastet und die tägliche Nahrungsaufnahme zu einer Herausforderung macht. Ältere und pflegebedürftige Menschen sind besonders häufig betroffen: Bis zu 50 Prozent der Pflegeheimbewohner (je nach Studie) und rund 70 Prozent der älteren Klinikpatienten leiden unter Schluckbeschwerden. Erfahre hier, wie und warum eine Dysphagie entsteht und wie du sie erkennen kannst – denn frühzeitig erkannt, ist die Erkrankung meist gut behandelbar (abhängig von Ursache und Schweregrad).

Das Wichtigste in Kürze
  • Schluckstörungen beginnen meist schleichend und werden von Betroffenen oft verharmlost oder aus Scham verschwiegen.

  • Anhaltende Schluckstörungen können gravierende gesundheitliche Folgen wie Lungenentzündung, Mangelernährung und Dehydration nach sich ziehen und das Sterblichkeitsrisiko erhöhen.

  • Eine angepasste Ernährung ist ein zentraler Baustein der Behandlung und trägt entscheidend zu Sicherheit und Lebensqualität Betroffener bei.

  • Bei unzureichender Nahrungsaufnahme kann hochkalorische Trinknahrung – umgangssprachlich auch als „Astronautennahrung“ bekannt – gezielt zur Deckung des Energie- und Nährstoffbedarfs beitragen.

Was ist Dysphagie?

Dysphagie ist der medizinische Fachbegriff für eine Schluckstörung. Betroffene haben Schwierigkeiten, Speisen, Flüssigkeiten oder auch den eigenen Speichel sicher und ohne Beschwerden zu schlucken. Der Schluckvorgang, der bei gesunden Menschen meist unbewusst und automatisch abläuft, ist dabei in einer oder mehreren seiner Phasen gestört.

 

Die Phasen des Schluckens

Der Schluckvorgang ist ein komplexer, hochkoordinierter Prozess, an dem über dreißig Muskelpaare sowie mehrere Hirnnerven beteiligt sind. Trotz dieser Komplexität lässt er sich in vier klar unterscheidbare Phasen gliedern.

 

  • Orale Vorbereitungsphase

In dieser Phase wird die Nahrung im Mund zerkleinert, mit Speichel vermischt und zu einem formbaren Bolus (Nahrungsbrei) geformt. Zunge, Kiefer und Wangenmuskulatur arbeiten dabei eng zusammen, während die Nahrung zwischen den Zähnen hin- und hergeschoben wird. Diese Phase ist willkürlich steuerbar und kann je nach Konsistenz der Nahrung unterschiedlich lange dauern.

 

  • Orale Phase (Transportphase)

Die Zunge presst sich gegen den harten Gaumen und schiebt den fertig geformten Bolus von vorne nach hinten in Richtung Rachen. Auch diese Phase ist noch willentlich steuerbar und dauert normalerweise nur etwa eine Sekunde. Sobald der Bolus die vorderen Gaumenbögen erreicht, wird der eigentliche Schluckreflex ausgelöst und die nächste Phase beginnt.

 

  • Pharyngeale Phase

Diese Phase läuft reflexartig und sehr schnell ab (weniger als eine Sekunde) und ist nicht mehr willentlich beeinflussbar. Der Kehlkopf hebt sich, die Stimmlippen schließen sich, der Kehldeckel (Epiglottis) klappt nach unten und verschließt gemeinsam mit weiteren Mechanismen die Atemwege, während sich gleichzeitig der obere Speiseröhrenschließmuskel (oberer Ösophagussphinkter) öffnet. Diese präzise Koordination ist entscheidend, um zu verhindern, dass Nahrung oder Flüssigkeit in die Luftröhre gelangt (Aspiration). Störungen in dieser Phase sind daher besonders kritisch.

 

  • Ösophageale Phase

In der letzten Phase wird der Bolus durch wellenförmige Muskelkontraktionen (Peristaltik) der Speiseröhre in Richtung Magen transportiert. Am Ende der Speiseröhre öffnet sich der untere Speiseröhrenschließmuskel (unterer Ösophagussphinkter), um die Nahrung in den Magen zu entlassen und anschließend Rückfluss (Reflux) zu verhindern. Dieser Vorgang dauert je nach Konsistenz der Nahrung etwa acht bis zwanzig Sekunden und läuft, wie die pharyngeale Phase, unwillkürlich ab.

 

Darum sollte Dysphagie unbedingt ernst genommen werden

Dysphagie ist weit mehr als eine bloße Unannehmlichkeit beim Essen – sie kann gravierende gesundheitliche Folgen bis hin zu lebensbedrohlichen Komplikationen nach sich ziehen. Gerade weil die Störung oft schleichend beginnt, ist ein frühzeitiges Erkennen und Ernstnehmen entscheidend, um schwerwiegende Konsequenzen zu vermeiden. Leider kommt es immer wieder vor, dass Betroffene ihre Beschwerden aus Scham verschweigen oder Symptome (zum Beispiel leichtes Verschlucken, längere Essenszeiten) als harmlos abtun. Doch je später die Dysphagie erkannt wird, umso größer ist das Risiko für Komplikationen.

 

Zu folgenden Komplikationen kann es kommen

  • Gefahr der Aspiration

Wenn Nahrung, Flüssigkeit oder Speichel in die Atemwege statt in die Speiseröhre gelangt, spricht man von Aspiration. Das kann zu einer Aspirationspneumonie (Lungenentzündung) führen – eine der häufigsten und gefährlichsten Komplikationen bei Dysphagie, die insbesondere bei älteren oder geschwächten Menschen lebensbedrohlich verlaufen kann. Tückisch dabei: Manche Betroffene aspirieren „still“, also ohne Husten oder spürbare Warnzeichen (sogenannte stille Aspiration), was die Gefahr zusätzlich erhöht.

 

  • Mangelernährung und Dehydration

Werden Essen und Trinken beschwerlich oder angstbesetzt, so nehmen Betroffene häufig zu wenig Nahrung und Flüssigkeit zu sich. Dies kann zu Gewichtsverlust und Muskelabbau führen, zu Nährstoffmangel sowie zu Flüssigkeitsmangel (Exsikkose). Dadurch wiederum werden die allgemeine Gesundheit und die Abwehrkräfte geschwächt sowie die Genesung von der Grunderkrankung erschwert. Betroffene geraten auf diese Weise leicht in einen Teufelskreis.

 

  • Erhöhtes Sterblichkeitsrisiko

Studien zeigen, dass Dysphagie – besonders bei Schlaganfallpatienten, älteren Menschen oder Personen mit neurodegenerativen Erkrankungen – häufig mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert ist, teils direkt durch Komplikationen wie Pneumonie (Lungenentzündung), teils indirekt durch die Folgen von Mangelernährung.

 

  • Verminderte Lebensqualität

Essen und Trinken sind nicht nur überlebensnotwendig, sondern auch sozial und emotional bedeutsam. Wer nicht mehr sicher oder unbeschwert essen kann, zieht sich oft von gemeinsamen Mahlzeiten zurück. Das kann zu sozialer Isolation, depressiven Verstimmungen sowie Angst und Scham beim Essen beitragen.

So erfolgt die Diagnose bei Dysphagie

Die Diagnostik erfolgt idealerweise in einem Team aus Ärzten verschiedener Fachrichtungen (zum Beispiel Neurologie, HNO, Gastroenterologie), Logopäden und Ernährungsberatern. Es gilt zu klären, ob wirklich eine Schluckstörung vorliegt – wenn ja, um welchen Schweregrad es sich handelt und welche Schluckphase betroffen ist. Des Weiteren muss festgestellt werden, wie hoch das Aspirationsrisiko ist und welche Ursache die Schluckstörung hat. In Kliniken werden oft standardisierte Screening-Tools für eine erste Einschätzung eingesetzt, etwa der GUSS (Gugging Swallowing Screen), ein Screening-Tool speziell für Schlaganfallpatienten, oder ein Selbsteinschätzungsfragebogen für Betroffene wie der EAT-10.

 

Die Diagnostik erfolgt in der Regel in diesen Stufen

Anamnese

Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch mit Betroffenen und gegebenenfalls Angehörigen.

Diese Fragen müssen dabei geklärt werden:

  • Seit wann bestehen die Beschwerden?

  • Bei welchen Konsistenzen treten Probleme auf (fest, flüssig, beides)?

  • Kommt es zu Husten oder Verschlucken beim Essen/Trinken?

  • Gibt es ein Gefühl von „Steckenbleiben“ beim Schlucken?

  • Liegt ein ungewollter Gewichtsverlust vor?

  • Gibt es wiederkehrende Atemwegsinfekte oder Lungenentzündungen?

  • Liegen bekannte Grunderkrankungen vor (zum Beispiel ein Tumor)?

  • Welche Medikamente werden eingenommen (manche beeinträchtigen Speichelfluss oder Muskeltonus)?

 

Klinische Schluckuntersuchung (KSU)

Hierbei handelt es sich um eine strukturierte Untersuchung, meist durchgeführt von Logopäden oder Ärzten. Typischerweise umfasst sie folgendes:

  • Untersuchung der oralen/pharyngealen Strukturen

Die Zungen-, Lippen-, Gaumensegelbeweglichkeit wird getestet, ebenso Sensibilität und Würgereflex.

  • Beobachtung des Schluckakts

Dies geschieht durch die Gabe unterschiedlicher Konsistenzen (Wasser, angedickte Flüssigkeit, breiige und feste Kost).

  • Stimmqualität vor/nach dem Schlucken

Ein feuchter oder gurgelnder Stimmklang nach dem Schlucken kann auf Speichel-, Flüssigkeits- oder Nahrungsreste im Kehlkopfbereich hindeuten und somit ein Warnzeichen für eine mögliche Aspiration sein.

  • Wasserschlucktest (zum Beispiel der 3-Ounce-Water-Swallow-Test nach DePippo): Hierbei handelt es sich um standardisierte Tests zur Risikoeinschätzung.

Die Klinische Schluckuntersuchung ist wichtig als Screening, kann aber stille Aspirationen nicht sicher erkennen – deshalb folgen bei Verdacht apparative Verfahren.

Apparative Diagnostik

Es stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung.

Flexible endoskopische Evaluation des Schluckens (FEES)

  • Ein dünnes Endoskop wird durch die Nase eingeführt, um Rachen und Kehlkopf während des Schluckens direkt zu betrachten.

  • Die Untersuchung ist bettseitig durchführbar und es gibt keine Strahlenbelastung.

  • Die FEES macht sichtbar, ob Essensreste im Rachen zurückbleiben (Residuen), ob etwas bis zum Kehlkopfeingang vordringt (Penetration) oder sogar unterhalb der Stimmlippen in die Atemwege gelangt (Aspiration).

  • Sie erlaubt das Testen verschiedener Konsistenzen und Kompensationsstrategien direkt am Krankenbett.

 

Videofluoroskopische Schluckuntersuchung (VFSS)

  • Hierbei handelt es sich um eine Röntgenkontrastuntersuchung, bei der der Schluckvorgang mit Kontrastmittel (Barium) in Echtzeit von der Seite und/oder von vorne gefilmt wird.

  • Die Untersuchung gilt als sogenannter „Goldstandard“, da alle vier Schluckphasen – auch die die Speiseröhre betreffende Phase – beurteilt werden können. Die Untersuchung zeigt genau, wo und warum eine Störung auftritt (etwa verzögerte Schluckreflexauslösung, unzureichender Zungenbasenrückzug, Öffnungsstörung des oberen Speiseröhrenschließmuskels).

  • Nachteil: Es gibt eine gewisse Strahlenbelastung, zudem ist die Untersuchung nicht bettseitig möglich.

 

Weitere Verfahren

Manometrie

Sie misst Druckverhältnisse in Rachen und Speiseröhre. Dies ist wichtig bei Verdacht auf Bewegungsstörungen der Speiseröhre.

pH-Metrie

Sie kommt bei Verdacht auf Reflux als Mitursache in Betracht.

Bildgebung (CT, MRT)

Sie hilft zur Abklärung struktureller Ursachen wie Tumore.

Laryngoskopie

Sie wird zur Beurteilung der Stimmlippenfunktion eingesetzt.

Therapiemöglichkeiten bei Dysphagie

Die Therapie bei einer Schluckstörung richtet sich nach Ursache, Schweregrad und den betroffenen Schluckphasen. Idealerweise wird sie interdisziplinär geplant. Im Zentrum steht meist eine logopädische Schlucktherapie mit drei Ansätzen:

Kompensatorische Strategien

Sie wirken sofort, ohne die Schluckfunktion selbst zu verändern. Zu den kompensatorischen Strategien zählen spezielle Kopfhaltungen (zum Beispiel Chin-Tuck, ein Kinn-zur-Brust-Manöver, bei dem das Kinn beim Schlucken aktiv zur Brust gesenkt wird) oder eine Kopfdrehung zur geschwächten Seite. Auch Schlucktechniken wie mehrfaches, kräftiges Schlucken zur Reduktion von Speise-, Flüssigkeits- oder Speichelresten gehören zu den kompensatorischen Strategien.

 

Adaptive Maßnahmen

Dazu zählen das Anpassen der Kost- und Trinkkonsistenz durch Andicken von Flüssigkeiten, Pürieren oder Weichkochen fester Nahrung. Auch Trinknahrung wie zum Beispiel Fresubin® von Fresenius Kabi sowie Hilfsmittel wie spezielle Trinkbecher können hilfreich sein.

 

Rehabilitative Übungen

Sie zielen auf eine langfristige Verbesserung der Schluckfunktion ab. Dazu gehören Kräftigungsübungen für Zunge und Rachenmuskulatur, Übungen zur Kehlkopfhebung sowie Stimulation des Schluckreflexes.

Je nach Ursache der Dysphagie können weitere medizinische Maßnahmen nötig sein, etwa die Behandlung der Grunderkrankung (zum Beispiel Schlaganfallrehabilitation), chirurgische Eingriffe oder Erweiterungen bei strukturellen Problemen sowie spezielle Verfahren wie Botulinumtoxin-Injektion bei Achalasie (Erschlaffungsstörung des unteren Speiseröhrenschließmuskels).

In schweren Fällen, wenn eine orale Ernährung nicht sicher möglich ist, kann vorübergehend oder dauerhaft eine künstliche Ernährung über Magensonde oder PEG-Sonde notwendig werden.

Die Therapie ist ein dynamischer Prozess, der regelmäßig angepasst wird – mit dem Ziel, Sicherheit beim Schlucken und Lebensqualität bestmöglich zu erhalten.

Symptome einer Schluckstörung erkennen

Eine Schluckstörung äußert sich oft durch subtile Anzeichen, die leicht übersehen oder verharmlost werden. Ein aufmerksamer Blick auf folgende Warnzeichen kann helfen, eine Dysphagie frühzeitig zu erkennen:

 

Direkte Anzeichen beim Essen und Trinken

  • Husten oder Verschlucken während oder nach dem Essen/Trinken

  • Würgen oder Räuspern beim Schlucken

  • Gefühl von „Steckenbleiben“ der Nahrung im Hals oder in der Brust

  • Mehrfaches Schlucken notwendig, um einen Bissen herunterzubekommen

  • Austreten von Speichel, Speiseresten oder Flüssigkeit aus dem Mund

  • Nahrung oder Flüssigkeit läuft aus der Nase (nasale Regurgitation)

  • Verzögerter oder fehlender Schluckreflex

  • Zungen- oder Wangenschwäche, die Bissen bleiben in der Wangentasche liegen

  • Probleme beim Kauen selbst

 

Veränderungen von Stimme und Atmung

  • „Feuchter“ oder gurgelnder Stimmklang nach dem Schlucken

  • Veränderte, heisere oder schwache Stimme

  • Kurzatmigkeit oder Atemnot während des Essens

 

Verhaltensauffälligkeiten beim Essen

  • Auffällig verlängerte Essenszeiten

  • Vermeiden bestimmter Speisen oder Konsistenzen

  • Angst oder Unsicherheit vor dem Essen

  • Rückzug von gemeinsamen Mahlzeiten

 

Allgemeine Warnzeichen

  • Ungewollter Gewichtsverlust

  • Anzeichen von Austrocknung (Dehydration)

  • Wiederkehrende Atemwegsinfekte oder Lungenentzündungen ohne erkennbare andere Ursache

  • Allgemeine Schwäche oder Müdigkeit

 

Wichtig: Nicht alle Betroffenen zeigen offensichtliche Symptome – insbesondere die sogenannte „stille Aspiration“ verläuft ohne Husten oder spürbare Warnzeichen und bleibt daher oft lange unentdeckt. Bei Verdacht auf eine Schluckstörung sollte deshalb frühzeitig eine fachärztliche oder logopädische Abklärung erfolgen.

Häufige Ursachen einer Dysphagie

Dysphagie ist keine eigenständige Erkrankung, sondern meist Symptom oder Folge einer anderen zugrunde liegenden Erkrankung oder Veränderung. Die Ursachen können vielfältig sein und reichen von akuten neurologischen Ereignissen bis hin zu altersbedingten Veränderungen. Ein Überblick:

 

Schlaganfall

Der Schlaganfall zählt zu den häufigsten Ursachen einer Dysphagie – je nach Studie sind bis zu 40–70 Prozent der Schlaganfallpatienten in der akuten Phase betroffen. Je nach Lokalisation und Ausmaß der Hirnschädigung können verschiedene Schluckphasen beeinträchtigt sein, häufig kommt es zu einer verzögerten Auslösung des Schluckreflexes oder einer eingeschränkten Kehlkopfhebung. Viele Betroffene erholen sich innerhalb der ersten Wochen, bei einem Teil bleibt die Schluckstörung jedoch dauerhaft bestehen.

 

Neurologische Erkrankungen

Neben einem Schlaganfall können zahlreiche weitere neurologische Erkrankungen zu Schluckstörungen führen, da der Schluckvorgang eine präzise Steuerung durch Gehirn und Hirnnerven erfordert. Zu diesen neurologischen Erkrankungen gehören:

Die Schluckstörung entsteht durch verlangsamte, unkoordinierte Bewegungsabläufe.

Je nach Lage der entzündlichen Herde im zentralen Nervensystem kann sie zu einer Dysphagie führen.

  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Durch den fortschreitenden Abbau der für Schlucken und Sprechen zuständigen Muskulatur und Nerven kann sich eine Schluckstörung entwickeln.

  • Schädel-Hirn-Trauma

Je nach betroffener Hirnregion kann eine Schluckstörung die Folge sein.

 

Demenz

Bei fortschreitender Demenz (etwa Alzheimer-Demenz) treten Schluckstörungen häufig in späteren Krankheitsstadien auf. Ursächlich sind sowohl kognitive Einschränkungen – etwa vergessenes oder verlangsamtes Schlucken, mangelnde Aufmerksamkeit beim Essen – als auch zunehmende motorische Beeinträchtigungen der Schluckmuskulatur. Zusätzlich erschweren Verhaltensänderungen wie Ablenkbarkeit oder Widerstand beim Essen die sichere Nahrungsaufnahme.

Krebs

Krebs kann zu Dysphagie (Schluckstörungen) führen, zum Beispiel bei Tumoren in Mund, Rachen, Kehlkopf oder Speiseröhre, aber auch durch Behandlungen wie Bestrahlung oder Operationen in diesem Bereich.

Alter (Presbyphagie)

Auch ohne konkrete Grunderkrankung verändert sich der Schluckvorgang im Alter auf natürliche Weise – man spricht von Presbyphagie. Dazu zählen abnehmende Muskelmasse und -kraft im Mund-, Rachen- und Kehlkopfbereich (Sarkopenie), verminderter Speichelfluss, nachlassende Sensibilität im Mund- und Rachenraum sowie verlangsamte Reflexe.

Diese altersbedingten Veränderungen führen zwar nicht zwangsläufig zu einer manifesten Dysphagie, verringern aber die funktionelle Reserve, wodurch ältere Menschen bei zusätzlicher Belastung (etwa Krankheit oder Operation) deutlich anfälliger für Schluckstörungen werden.

 

Nach Operationen

Verschiedene chirurgische Eingriffe können vorübergehend oder dauerhaft zu einer Dysphagie führen. Dies können sein:

  • Operationen im Kopf-Hals-Bereich

Hierbei kann es zu einer direkten Schädigung von Muskulatur, Nerven oder Strukturen kommen, die am Schlucken beteiligt sind.

  • Längere Intubation/Beatmung

Sie kann zu Schwellungen, Reizungen oder einer Schwächung der Schluckmuskulatur führen.

  • Halswirbelsäulen-Operationen

Durch die Nähe zu schluckrelevanten Strukturen kann hierbei eine Dysphagie entstehen.

  • Speiseröhren- oder Magenoperationen

Sie können die ösophageale Phase (Speiseröhrenphase) beeinträchtigen.

 

Weitere Ursachen

Zusätzlich können unter anderem Bestrahlungstherapie, muskuläre Erkrankungen (etwa Myasthenia gravis) sowie strukturelle Veränderungen der Speiseröhre (zum Beispiel Engstellen, Achalasie) eine Schluckstörung verursachen.

 

Älter Frau sitzt am Esstisch und trinkt Wasser während einer Mahlzeit

Die richtige Ernährung bei Schluckstörungen

Schluckstörungen erschweren das Essen und Trinken nicht nur erheblich, sondern bergen auch erhebliche Risiken wie Verschlucken, Mangelernährung oder Lungenentzündungen. Eine angepasste Ernährung ist daher ein zentraler Baustein der Behandlung und trägt entscheidend zu Sicherheit und Lebensqualität Betroffener bei.

 

Konsistenzstufen individuell anpassen

Die Konsistenz von Speisen und Getränken sollte genau auf den Grad deiner Schluckstörung abgestimmt werden. International orientieren sich Ärzte, Ernährungsfachkräfte, Logopäden/Sprachtherapeuten, Pflegepersonen, Angehörige und Betroffene selbst häufig an den IDDSI-Stufen (International Dysphagia Diet Standardisation Initiative). Dieses System teilt Getränke in die Stufen 0–4 und Speisen in die Stufen 3–7 ein und ermöglicht so eine sichere, nachvollziehbare Kostform – von flüssig bis normal fest.

 

Grundsätzlich wird unterschieden

  • Passierte/pürierte Kost: Glatt und ohne Klümpchen, wenn feste Nahrung nicht sicher gekaut oder geschluckt werden kann.

  • Weiche Kost: Leicht mit der Gabel zerdrückbar, für Betroffene mit leichteren Kau- oder Schluckproblemen.

  • Normale Kost mit Anpassungen: Bei nur geringfügigen Einschränkungen, gegebenenfalls mit Vermeidung bestimmter Konsistenzen.

 

Andicken von Flüssigkeiten

Dünnflüssige Getränke wie Wasser, Tee oder Saft gelten bei vielen Schluckstörungen als besonders risikoreich, da sie schnell und unkontrolliert in die Luftröhre gelangen können. Mit speziellen Andickungsmitteln (aus der Apotheke oder aus dem Sanitätshaus, meist auf Stärke- oder Guarkernmehl-Basis) lässt sich die Konsistenz gezielt steuern.

In der Praxis werden die Andickungsgrade oft anhand anschaulicher Konsistenzvergleiche beschrieben und lassen sich den IDDSI-Getränkestufen wie folgt zuordnen:

  • leicht angedickt (nektarartig) – entspricht etwa IDDSI-Stufe 2 (mildly thick): für leichtere Schluckstörungen

  • mittel angedickt (honigartig) – entspricht etwa IDDSI-Stufe 3 (moderately thick): für mittelschwere Einschränkungen

  • stark angedickt (puddingartig) – entspricht etwa IDDSI-Stufe 4 (extremely thick): für schwere Schluckstörungen

 

Diese Zuordnung dient nur der groben Orientierung, da Produkte und Herstellerangaben je nach Marke leicht variieren können. Maßgeblich sollte immer die konkrete IDDSI-Stufe oder ein anerkannter Fließ-Test sein (zum Beispiel mittels IDDSI-Spritzentest). Die richtige Andickungsstufe wird idealerweise durch eine logopädische oder ärztliche Schluckdiagnostik festgelegt.

 

Ausreichende Kalorien- und Flüssigkeitszufuhr sichern

Durch die eingeschränkte Nahrungsaufnahme besteht bei Schluckstörungen ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung und Dehydration. Um dies zu verhindern, kannst du einiges tun:

 

  • Kaloriendichte erhöhen: Speisen mit Sahne, Butter, Öl oder speziellen Kalorienzusätzen anreichern, um trotz kleinerer Portionen den Energiebedarf zu decken.

  • Proteinreiche Kost: Ausreichend Eiweiß (etwa über pürierten Quark, Ei oder proteinangereicherte Produkte) verzehren – zur Vermeidung von Muskelabbau.

  • Mehrere kleine Mahlzeiten: Statt drei großer Mahlzeiten lieber fünf oder sechs kleinere Portionen über den Tag verteilen.

  • Flüssigkeitsbilanz im Blick behalten: Da angedickte Getränke oft weniger appetitlich wirken, kann die Trinkmenge unbemerkt sinken. Deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle der Flüssigkeitsaufnahme wichtig.

 

Hochkalorische Trinknahrung als gezielte Ergänzung

Reicht die normale orale Ernährung nicht aus, um den täglichen Energie- und Nährstoffbedarf zu decken, so kann hochkalorische Trinknahrung eingesetzt werden. Ein bekanntes Beispiel ist Fresubin®, etwa in Varianten wie dem Fresubin® 2 kcal Drink oder dem Fresubin® Energy Drink.

 

Das solltest du über Trinknahrung wissen:

  • Wirkweise: Diese industriell hergestellten, bilanzierten Diäten liefern auf kleinem Volumen konzentriert Energie (häufig 1,5–2,4 kcal/ml), Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe – ideal, wenn normale Portionen kaum noch bewältigt werden können.

  • Konsistenz anpassbar: Viele Produkte sind bereits cremig-sämig oder können mit Andickungsmitteln auf die individuell benötigte Schluckstufe gebracht werden, sodass sie auch bei starker Dysphagie sicher zu schlucken sind.

  • Einsatzmöglichkeiten: Trinknahrung kann sowohl als Ergänzung zwischen den Mahlzeiten (Zwischenmahlzeit) zu sich genommen werden als auch als vollständiger Ersatz einzelner Mahlzeiten. Darüber hinaus eignet sie sich kurzfristig zur Überbrückung, zum Beispiel nach Klinikaufenthalten, Operationen oder in akuten Krankheitsphasen.

  • Geschmacksvielfalt nutzen: Um die Akzeptanz zu erhöhen, empfiehlt es sich, verschiedene Geschmacksrichtungen auszuprobieren und die Trinknahrung – je nach persönlicher Vorliebe – gegebenenfalls leicht gekühlt oder mit kleinen Aromazusätzen anzubieten.

  • Verordnung: Hochkalorische Trinknahrung ist verschreibungsfähig und wird bei entsprechender medizinischer Indikation (wie zum Beispiel bei Mangelernährung oder bei krankheitsbedingtem Gewichtsverlust) von der Krankenkasse übernommen. Die Verordnung erfolgt durch deinen behandelnden Arzt.

 

Praktische Tipps für den Alltag mit Schluckstörungen

  • Aufrechte Sitzposition beim Essen und diese mindestens 30 Minuten danach beibehalten.

  • Kleine Bissen und ausreichend Zeit zum Kauen und Schlucken einplanen.

  • Ablenkungen beim Essen vermeiden.

  • Speisen appetitlich anrichten, um trotz angepasster Konsistenz den Appetit zu fördern.

 

Ernährungszustand regelmäßig kontrollieren

Gewicht, Trinkmenge und allgemeiner Ernährungszustand sollten regelmäßig überprüft werden. Bei fortschreitendem Gewichtsverlust oder unzureichender oraler Aufnahme trotz Trinknahrung kann eine Sondenernährung notwendig werden.

 

Grundsätzlich gilt: Die individuelle Kostform, Andickungsstufe und der Einsatz von Trinknahrung sollten immer in Absprache mit behandelnden Ärzten, Logopäden oder Ernährungsfachkräften festgelegt werden, da Art und Ausmaß der Schluckstörung stark variieren können.

 

Hilfsmittel bei Dysphagie

Auch speziell für Menschen mit Schluckstörungen entwickelte Hilfsmittel und Produkte können dir helfen, deinen Alltag sicherer und komfortabler zu gestalten. Besonders bewährt haben sich spezielle Trinkbecher, etwa mit Nasenausschnitt oder integrierter Membran, die ein Trinken mit gerader statt zurückgelegter Kopfhaltung ermöglichen und so das Risiko eines Verschluckens deutlich senken. Auch flexible Löffel oder angepasstes Geschirr können es dir einfacher machen, Speisen sicher und selbstständig aufzunehmen. In einem Sanitätshaus in deiner Nähe kannst du dich fachkundig beraten lassen und verschiedene Modelle oft auch direkt ausprobieren. Viele Sanitätshäuser bieten zusätzlich eine fachkundige Einweisung in die Nutzung der Produkte an.

Fazit

Eine Schluckstörung kann deinen Alltag stark beeinträchtigen, ist mit der richtigen Unterstützung in der Regel jedoch gut in den Griff zu bekommen. Mit einer angepassten Konsistenz deiner Nahrung, cleveren Hilfsmitteln und bei Bedarf hochkalorischer Trinknahrung lässt sich deine Versorgung trotzdem sicher und genussvoll gestalten. Es braucht vielleicht etwa Zeit, bis du einen guten Rhythmus gefunden hast und wieder mehr Freude und Leichtigkeit beim Essen erleben kannst, aber die Chancen stehen gut, dass es bald wieder gelingt.

Häufige Fragen zu Dysphagie (Schluckstörung)

Unser Autor

Mitarbeiterin bei joviva, Karin Pütz, Content Writerin

Hallo, ich bin Karin

Karin Pütz arbeitet als Journalistin und Autorin für verschiedene deutsche Verlage und Fernsehsender. Neben wissenschaftlich-medizinischen Fachbüchern, die in enger Zusammenarbeit mit Ärzten entstanden sind, hat sie Biografien (von Prominenten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens) sowie Kinderbücher veröffentlicht. Darüber hinaus verfügt sie über langjährige Erfahrung als Redakteurin im News-, Wissenschafts- und Magazinbereich.

Quellenangaben

Einige Bilder auf unserer Webseite wurden mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt. Die Nutzung dieser Bilder erfolgt unter Beachtung der Transparenzpflichten gemäß dem EU AI Act.

Weitere passende Beiträge zum Thema Mehr Gesundheit

Zur Kategorie Mehr Gesundheit
Persönliche Beratung
Buche jetzt kostenlos einen Termin in einem Sanitätshaus in deiner Nähe und finde dein Hilfsmittel.
Termin buchen
Produkte im Shop
Du benötigst einige Pflegehilfsmittel? Entdecke jetzt eine Auswahl in unserem Online-Shop.
Pflegehilfsmittel ansehen
Jetzt Termin buchen
Jetzt zum Newsletter anmelden
Du kannst dich jederzeit von unserem Newsletter abmelden. Es gelten unsere Nutzungsbedingungen. Bitte beachte unsere Hinweise zum Datenschutz.