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Arten von Orthesen: Die richtige Unterstützung für deinen Alltag
Einleitung
Es gibt eine Vielzahl an Orthesen – beispielsweise Wirbelsäulenorthesen, Arm- und Handorthesen sowie Bein- und Fußorthesen. Sie können Gelenke entlasten, Fehlstellungen korrigieren, Körperregionen immobilisieren, Bewegungsfunktionen unterstützen oder ersetzen, die Belastung auf bestimmte Strukturen reduzieren und für eine verbesserte Körperwahrnehmung und Koordination sorgen. Erfahre hier, welche Orthesen was können, welche Tragedauer für welche Orthese geeignet ist, welche Tipps und Tricks es für den Alltag gibt und was du bei einer Kostenübernahme durch die Krankenkasse wissen musst.
Was ist eine Orthese? Eine Orthese ist ein medizinisches Hilfsmittel, das von außen am Körper angelegt wird, um Körperteile – meist Gelenke, Gliedmaßen oder die Wirbelsäule – zu stützen, zu stabilisieren, zu entlasten, in ihrer Bewegung zu führen oder zu begrenzen.
Es gibt vielfältigste Einsatzgebiete für Orthesen. So können sie – um nur einige zu nennen – zur Karpaltunnelsyndrom-Behandlung eingesetzt werden, zur Behandlung eines Meniskusrisses, gegen Symptome einer Spinalkanalstenose (Wirbelkanalverengung) oder als stabilisierendes Hilfsmittel bei einem Bandscheibenvorfall.
Es wird zwischen aktiven und passiven Orthesen unterschieden. Als aktive Orthesen werden Orthesen bezeichnet, die selbst eine Kraft oder Bewegung erzeugen und so aktiv in den Bewegungsablauf eingreifen. Sie stehen damit im Gegensatz zu den passiven Orthesen, die lediglich stabilisieren, führen oder entlasten.
Dein Arzt (zum Beispiel ein Orthopäde, ein Unfallchirurg oder ein Hausarzt) stellt nach einer entsprechenden Diagnose ein Rezept für die notwendige Orthese aus.
Was sind Orthesen?
Dir sagt dieser Begriff nichts und du suchst deshalb nach einer einfachen Erklärung für Orthesen? – Hier findest du sie: Die Bezeichnung „Orthese“ leitet sich von dem griechischen Wort „orthos“ ab, das sich mit „gerade, aufrecht“ übersetzen lässt. Grundsätzlich wird unter einer Orthese ein von außen am Körper angelegtes medizinisches Hilfsmittel verstanden, das dazu dient, Körperteile – insbesondere Gelenke, Gliedmaßen oder den Rumpf – zu stabilisieren, zu entlasten, zu korrigieren oder zu führen. Nun fragst du dich vielleicht: Was ist der Unterschied zwischen einer Orthese und einer Schiene? Die Begriffe werden im Alltag oft synonym verwendet, unterscheiden sich aber medizinisch und technisch in einigen wichtigen Punkten.
Unterschied Orthese und Schiene
Eine Schiene ist in der Regel eine spezielle, meist starre Form der Orthese, deren Hauptzweck die Ruhigstellung eines Körperteils ist – etwa nach einer Fraktur oder in der Akutversorgung. Schienen sind normalerweise einfacher aufgebaut und werden häufig nur kurzfristig eingesetzt, während Orthesen auch dynamische Funktionen übernehmen können, gezielt Bewegungen erlauben oder begrenzen und individuell maßgefertigt sein können. Etwas vereinfacht lässt sich sagen: Jede Schiene ist eine Orthese, aber nicht jede Orthese ist eine Schiene.
Eine häufig gestellte Frage ist außerdem: Ist eine Orthese ein Gips?
Die Antwort darauf ist ein klares Nein! Zwar können sowohl eine Orthese als auch ein Gips zur Ruhigstellung eingesetzt werden, der wesentliche Unterschied liegt aber darin, dass ein Gips ein festes, nicht abnehmbares Hilfsmittel ist, das direkt auf der Haut aufgebracht wird und nach dem Aushärten eine starre Hülle bildet. Ein Gips wird in der Regel nach Frakturen verwendet und muss nach Ende der Behandlung vom Arzt entfernt werden.
Eine Orthese hingegen ist ein abnehmbares, wiederverwendbares Hilfsmittel, das über der Kleidung oder direkt auf der Haut getragen wird. Eine Orthese kann je nach Bedarf an- und ausgezogen werden, was beispielsweise die Hygiene, eine Physiotherapie oder die Kontrolle der Heilung erleichtert. In der modernen Medizin wird der Gips daher zunehmend durch funktionelle Orthesen ersetzt, da diese mehr Flexibilität im Behandlungsverlauf bieten und den Heilungsprozess, etwa durch kontrollierte Bewegung, oft positiv unterstützen können.
Unterschied Prothese und Orthese
Auch die Begriffe „Prothese“ und Orthese“ werden häufig verwechselt. Obwohl beide zur orthopädischen Hilfsmittelversorgung gehören, unterscheiden sie sich grundlegend in ihrer Funktion. So ist eine Orthese ein externes Hilfsmittel, das einen vorhandenen Körperteil unterstützt, stabilisiert oder korrigiert. Eine Prothese hingegen ersetzt einen vollständig fehlenden Körperteil, etwa nach einer Amputation oder bei einem angeborenen Gliedmaßenmangel. Während die Orthese somit ergänzend wirkt und die Funktion des vorhandenen Körperteils verbessert, übernimmt die Prothese die Funktion des verlorenen Körperteils vollständig.
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Arten von Orthesen und ihre Funktionen
Die Auswahl an Orthesenarten ist riesig. Zum besseren Verständnis deshalb nun eine Übersicht zu folgenden Punkten: Welche Arten von Orthesen gibt es? Welche sind besonders wichtig und werden am häufigsten eingesetzt? Was sind typische Funktionen von Orthesen? – All dies findest du hier, kurz und knapp für dich zusammengefasst:
Kopforthesen
Kopforthesen sind speziell angepasste Helme aus leichtem Kunststoff, die zur Korrektur von Schädelverformungen bei Säuglingen eingesetzt werden. Sie gehören zu den korrigierenden Orthesen und nutzen das natürliche Schädelwachstum im frühen Kindesalter therapeutisch aus.
Wann kommen sie zum Einsatz?
Hauptindikation für eine Kopforthese ist die Plagiozephalie, also eine asymmetrische Abflachung des Schädels eines Säuglings, die durch eine einseitige Liegeposition oder bereits durch beengte Verhältnisse im Mutterleib entsteht. Darüber hinaus kommen Kopforthesen auch bei der Brachyzephalie (symmetrische Abflachung des Hinterkopfs) zum Einsatz.
Anfertigung
Der jeweilige Helm wird individuell nach einem 3-D-Scan des kindlichen Schädels angefertigt. Er übt gezielt keinen Druck auf abgeflachte Bereiche aus und lässt dort Raum für das Wachstum, während er an anderen Stellen leichten Gegendruck erzeugt. Auf diese Weise wird das Wachstum in eine symmetrischere Form gelenkt.
Der optimale Behandlungszeitraum
Der optimale Behandlungszeitraum liegt zwischen dem vierten und zwölften Lebensmonat, da das Schädelwachstum in dieser Phase besonders dynamisch ist. Der Orthesen-Helm wird in der Regel dreiundzwanzig Stunden täglich getragen, und die Behandlungsdauer beträgt typischerweise mehrere Monate.
Wichtig: Eine Kopforthese für ein Baby/einen Säugling kommt erst dann zum Einsatz, wenn konservative Maßnahmen wie Lagerungstherapie und Physiotherapie nicht ausreichend wirksam waren.
Knieorthesen
Du hast den Begriff schon oft gehört, kannst dir aber nichts darunter vorstellen und willst nun wissen: Was ist eine Knieorthese? – Deshalb hier eine kurze Erklärung: Knieorthesen sind Hilfsmittel, die das Kniegelenk von außen stützen, stabilisieren, entlasten oder in seiner Bewegung führen. Sie bestehen je nach Indikation aus halbstarren oder starren Komponenten und werden individuell angepasst oder als konfektionierte Produkte angeboten.
Wann kommen sie zum Einsatz?
Das Einsatzgebiet der Knieorthesen ist breit gefächert. Häufig kommen sie beispielsweise nach Bandverletzungen zum Einsatz, etwa nach einem Kreuzband- oder Seitenbandschaden, um das Gelenk während der Heilungsphase zu stabilisieren und vor erneuten Verletzungen zu schützen. Auch nach operativen Eingriffen wie einer Kreuzbandrekonstruktion werden Knieorthesen zur Nachsorge eingesetzt. Bei degenerativen Erkrankungen wie der Gonarthrose, also dem Kniegelenkverschleiß, können spezielle Entlastungsorthesen die betroffene Gelenkseite mechanisch entlasten und so Schmerzen lindern sowie die Mobilität verbessern. Darüber hinaus werden Knieorthesen bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis sowie bei angeborenen oder erworbenen Achsfehlstellungen eingesetzt.
Funktionelle Knieorthesen oder Knie-Knöchel-Fuß-Orthesen (KAFO) finden außerdem in der Neurologie Verwendung, etwa bei Lähmungen oder Muskelschwäche, um eine kontrollierte Bewegungsführung zu ermöglichen. Insgesamt zählen Knieorthesen zu den am häufigsten verordneten Orthesentypen und decken – gemeinsam mit verwandten Versorgungsformen wie der KAFO – ein sehr breites Spektrum an orthopädischen, traumatologischen und neurologischen Indikationen ab.
Du brauchst eine Orthese fürs Knie – zahlt die Krankenkasse?
Die genauen Regelungen können je nach Krankenkasse und individueller Situation variieren. Grundsätzlich jedoch übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland die Kosten für eine Knieorthese, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Zunächst muss eine ärztliche Verordnung vorliegen, in der die medizinische Notwendigkeit klar begründet ist. Die Indikation muss anerkannt sein, das heißt, die Orthese muss zur Behandlung einer diagnostizierten Erkrankung oder Verletzung erforderlich sein – rein vorsorgende Versorgungen ohne konkreten Befund werden in der Regel nicht übernommen.
Darüber hinaus sollte die Orthese im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes gelistet oder die medizinische Notwendigkeit im Einzelfall begründet sein. Das Hilfsmittelverzeichnis legt fest, welche Hilfsmittel als erstattungsfähig anerkannt sind. Der behandelnde Arzt stellt die Verordnung aus, die anschließend von der Krankenkasse genehmigt werden muss. Bei höherwertigen oder individuell angefertigten Orthesen ist häufig eine Vorabgenehmigung erforderlich.
Gesetzlich Versicherte zahlen zudem in der Regel eine Zuzahlung von zehn Prozent des Abgabepreises, mindestens fünf und maximal zehn Euro. Wer eine hochwertigere Orthese wünscht, die über die Kassenleistung hinausgeht, muss die Mehrkosten selbst tragen. Bei privaten Krankenversicherungen richten sich die Erstattungsmodalitäten nach dem jeweiligen Vertrag, sodass hier eine direkte Rücksprache mit der Versicherung empfehlenswert ist.
Beinorthesen
Eine Beinorthese ist ein medizinisches Hilfsmittel, das von außen am Bein angelegt wird, um bestimmte Bereiche zu stützen, zu stabilisieren, zu korrigieren oder zu entlasten. Je nach betroffener Region unterscheidet man verschiedene Typen: Einfache Fußorthesen versorgen ausschließlich den Fuß, während Unterschenkel-Fuß-Orthesen zusätzlich das Sprunggelenk einschließen und besonders häufig Verwendung finden. Bei schweren Lähmungen können großflächige Oberschenkel-Knie-Unterschenkel-Fuß-Orthesen sinnvoll sein. Sie werden auch als KAFO (Knee-Ankle-Foot-Orthosis) oder als Ganzbeinorthese bezeichnet und sind eine wichtige Unterstützung, wenn mehrere Gelenke des Beines gleichzeitig stabilisiert oder geführt werden müssen.
Wann kommen KAFO-Orthesen zum Einsatz?
Eine KAFO wird sowohl bei neurologischen als auch bei orthopädischen und muskulären Erkrankungen verordnet. Im neurologischen Bereich sind typische Indikationen Querschnittlähmungen, Multiple Sklerose, Schlaganfall mit ausgeprägter Beinlähmung, Zerebralparese, spinale Muskelatrophie sowie Folgeschäden einer Poliomyelitis (umgangssprachlich früher häufig „Kinderlähmung“ genannt). Bei orthopädischen und traumatologischen Ursachen wird sie unter anderem nach komplexen Frakturen oder Operationen, bei schweren Bandinstabilitäten mehrerer Gelenke oder bei Beinachsendeformitäten eingesetzt. Auch muskuläre Erkrankungen wie Muskeldystrophien oder ausgeprägte Lähmungen können eine solche Versorgung erforderlich machen.
Die Ziele der Versorgung sind vielfältig: Im Vordergrund stehen die Stabilisierung insuffizienter oder gelähmter Gelenke, die Verbesserung des Gangbildes und die Sturzprophylaxe. Darüber hinaus soll die KAFO-Orthese Kontrakturen vorbeugen, bestimmte Strukturen entlasten, die Selbständigkeit Betroffener unterstützen und ihnen eine gesellschaftliche Teilhabe und damit verbundene Lebensfreude ermöglichen. Die Verordnung erfolgt in der Regel durch einen Orthopäden oder Neurologen, die individuelle Anfertigung und Anpassung übernimmt ein Orthopädietechniker.
Fußorthesen
Bei den Fußorthesen sollte unterschieden werden zwischen Einlagen (plantare Orthesen), Knöchel-Fuß-Orthesen (Ankle-Foot Orthosis, kurz: AFO), Zehen- und Vorfußorthesen sowie Fersenorthesen.
Einlagen (plantare Orthesen)
Sie sind die mit Abstand gebräuchlichste Form der Fußorthesen. Sie werden in den normalen Schuh eingelegt und können entweder konfektioniert oder individuell angefertigt sein. Weiche Einlagen aus Schaumstoff oder Silikon dienen vor allem der Druckentlastung und werden häufig bei Diabetikern eingesetzt, um Druckstellen und Wunden zu vermeiden. Halbstarre und starre Einlagen aus Kunststoff oder Kork hingegen werden zur Korrektur von Fußfehlstellungen verwendet, etwa bei Plattfuß (Pes planus), Hohlfuß (Pes cavus), Knick-Senkfuß oder Spreizfuß. Auch bei Fersensporn, Plantarfasziitis oder Überlastungssyndromen sind stützende Einlagen ein bewährtes Mittel.
Knöchel-Fuß-Orthesen (AFO)
Diese Orthesen umschließen den Fuß und reichen bis zur Wade. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn eine neuromuskuläre Schwäche oder spastische Lähmung vorliegt, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, bei Multipler Sklerose, bei Kinderlähmung oder bei Muskeldystrophie. Eine häufige Indikation für eine Knöchel-Fuß-Orthese ist eine Fußheberschwäche (oft auch Fallfuß genannt), bei der der Patient den Vorfuß beim Gehen nicht heben kann. AFOs stabilisieren das Sprunggelenk, verhindern ein unkontrolliertes Umknicken und verbessern das Gangbild erheblich.
Zehen- und Vorfußorthesen
Diese Orthesen für den Fuß bilden eine weitere, speziellere Gruppe. Zehenstrecker und -spreizer helfen bei Hallux valgus (Ballenzeh) sowie bei Krallen- oder Hammerzehen, indem sie die Zehen in eine physiologischere Position bringen oder schmerzhaften Druck zwischen den Zehen reduzieren. Metatarsalpolster (Mittelfuß-/Vorderfußpolster) entlasten den Vorfußbereich bei Metatarsalgie (häufig auch als Mittelfuß- oder Vorderfußschmerzen bezeichnet).
Fersenorthesen
Fersenorthesen wie Fersenkeile oder Fersenkissen werden gezielt bei Achillessehnenproblemen, Fersensporn oder zum Beinlängenausgleich eingesetzt.
Insgesamt verfolgen Fußorthesen je nach Typ drei grundlegende Ziele: Korrektur von Fehlstellungen, Stabilisierung instabiler Gelenke und Druckentlastung empfindlicher oder verletzter Strukturen. Die Auswahl der richtigen Fußorthese richtet sich immer nach der zugrundeliegenden Diagnose, dem Schweregrad der Beschwerden und deinen individuellen Bedürfnissen.
Spezialorthesen
Neben den bereits erwähnten gängigen Orthesen gibt es eine Reihe von Spezialorthesen, die für bestimmte Krankheitsbilder oder Situationen entwickelt wurden.
Nachtlagerungsorthesen
Sie werden ausschließlich im Schlaf getragen. Sie halten den Fuß über mehrere Stunden in einer gedehnten Position und werden häufig bei Plantarfasziitis oder Achillessehnenproblemen verordnet, um einer Verkürzung des Gewebes entgegenzuwirken.
Vakuumorthesen
Eine Vakuumorthese arbeitet mit einem luftgefüllten Kammersystem, das sich der Körperform anpasst, gleichmäßigen Druck verteilt und gleichzeitig stabilisiert – ähnlich einem Gips, jedoch mit deutlich mehr Tragekomfort. Dadurch eignen sich diese Orthesen besonders in der Akutphase nach einer Verletzung sowie in der frühen Rehabilitationsphase, wenn Stabilisierung und Schmerzreduktion im Vordergrund stehen. Vakuumorthesen kommen hauptsächlich bei Verletzungen im Bereich des Sprunggelenks und des Fußes zum Einsatz, insbesondere bei Bänderrissen, Kapselverletzungen und leichteren Frakturen.
Walker
Walker (auch als Orthesenstiefel oder Aircast-Stiefel bekannt) sind eine starre oder halbstarre Unterschenkelorthese mit Klettverschlüssen. Walker kommen vor allem nach Verletzungen oder Operationen im Bereich des Fußes oder Unterschenkels zum Einsatz, etwa bei Sprunggelenksfrakturen, Stressfrakturen der Mittelfußknochen, schweren Bänderrissen oder nach operativen Eingriffen. Sie immobilisieren den Fuß und den Unterschenkel ähnlich wie ein Gips, sind jedoch abnehmbar, was Körperhygiene und Physiotherapie erheblich erleichtert. Da viele Walker-Modelle eine abrolloptimierte Sohle besitzen, ermöglichen sie häufig eine frühzeitige Teilbelastung und unterstützen so die Rehabilitation.
Pufferfersenorthesen oder Fersenentlastungsorthesen
Diese Orthesen sind speziell auf die vollständige Druckentlastung der Ferse ausgelegt und kommen bei Fersengeschwüren, etwa im Rahmen des diabetischen Fußsyndroms, oder nach Operationen zum Einsatz.
Hallux-valgus-Orthesen und Hallux-rigidus-Schienen
Sie sind auf die häufigsten Großzehenprobleme zugeschnitten. Die Hallux-valgus-Orthesen halten die abgewinkelte Großzehe durch eine Schiene in einer korrigierten Position und wirken so der Fehlstellung entgegen. Eine vollständige Korrektur der Fehlstellung ist durch die Orthese allein jedoch meist nicht möglich. Hallux-rigidus-Orthesen hingegen sollen das steife, arthrotisch veränderte Großzehengrundgelenk entlasten und die Abrollbewegung unterstützen.
Rheumaorthesen
Sie wurden speziell für die veränderte Anatomie des rheumatischen Fußes entwickelt. Da Rheuma häufig zu Entzündungen, Deformitäten und extremer Druckempfindlichkeit führt, sind diese Orthesen besonders weich gepolstert und individuell angepasst, um sowohl zu entlasten als auch die verbliebene Funktion zu erhalten.
Tägliche Tragedauer von Orthesen: Deine Tipps & Tricks für den Alltag
Vielleicht möchtest du nun wissen: Wie lange muss man eine Orthese tragen? – Auf diese Frage gibt es allerdings keine einheitliche Antwort. Die empfohlene tägliche Tragedauer hängt von der Art der Erkrankung, der Körperstelle und dem angestrebten Behandlungsziel ab. Berate dich dazu unbedingt mit deinem Arzt oder Therapeuten, da er deinen persönlichen Fall kennt. Seine Anweisungen sind die Richtlinie, an die du dich halten solltest. Denn eine falsch angewendete Orthese kann oft mehr schaden, als sie nützt. So kann zu langes Tragen insbesondere bei Muskel- und Gelenkorthesen den Muskelabbau fördern, während zu kurzes Tragen die Heilung verzögern und die Korrektur verfehlen kann. Achte zudem auf Hautreizungen, Druckstellen oder Taubheitsgefühle. Hole dir in solchen Fällen umgehend ärztlichen Rat ein!
Im Durchschnitt wird von folgenden Tragedauern ausgegangen (können jedoch stark variieren):
nach Verletzungen (zum Beispiel Bänderriss, Bruch)
oft ganztägig mehrere Wochen (eventuell außerdem die Orthese nachts tragen, je nach Schwere der Verletzung), danach schrittweise reduzieren
nach Operationen
häufig sechs bis zwölf Wochen, teils auch länger, tagsüber durchgehend, nachts nur auf ärztliche Anweisung
zur Stabilisierung beim Sport
nur während der Belastung, nicht dauerhaft im Alltag
bei chronischen Erkrankungen (zum Beispiel Arthrose oder Rheuma)
in der Regel nur bei Belastung oder Schmerzen
Korrekturorthesen (etwa bei Skoliose)
lange Tragedauer, oft achtzehn bis dreiundzwanzig Stunden täglich
Nachtlagerungsorthesen
werden ausschließlich nachts getragen, zur Dehnung oder Positionierung
Tipps und Tricks:
Lege deine Orthese nach Möglichkeit im Sitzen an. Dies gilt besonders bei Knie- oder Sprunggelenksorthesen.
Achte auf die korrekte Position, da ein schiefer Sitz der Orthese Druckstellen verursachen und die Wirkung mindern kann.
Die Orthese sollte weder zu fest noch zu locker sitzen. In der Regel sollte ein Finger unter den Verschluss passen.
Klettverschlüsse regelmäßig reinigen für bleibenden Halt.
Reinige deine Orthese regelmäßig entsprechend der Herstelleranleitung.
Trage Baumwollunterzieher oder Spezialsocken unter der Orthese, um die Haut vor Reibung und Schweiß zu schützen.
Ziehe die Bettlaken glatt, wenn du deine Orthese auch nachts tragen musst, da Falten unter der Orthese zu Druckstellen führen können.
Nutze eventuell Lagerungskissen, um das betroffene Körperteil bequem zu positionieren.
Anziehhilfen (etwa Sockenanzieher oder Greifzangen) können das Ankleiden erleichtern.
Kostenübernahme durch Krankenkasse bei Orthesen
Die gesetzliche Krankenkasse (GKV) übernimmt nicht die Kosten für jede Orthese und unter Umständen auch nicht den vollen Betrag. Aber welche Orthese bezahlt die Krankenkasse nun und welche nicht? – Dazu lässt sich Folgendes sagen: Grundsätzlich müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein, damit die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernimmt. So muss ein Arzt die Orthese verordnen, sie sollte im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes gelistet sein (im Einzelfall können aber auch nicht gelistete Orthesen erstattet werden), und sie muss medizinisch notwendig sein, also zur Behandlung einer anerkannten Diagnose dienen.
Folgende Orthesen werden in der Regel übernommen:
individuell angefertigte Einlagen bei nachgewiesenen Fußfehlstellungen oder Erkrankungen wie Diabetes
Knöchel-Fuß-Orthesen (AFO) bei Lähmungen oder neurologischen Erkrankungen
Lähmungsorthesen allgemein
Nachtlagerungsorthesen bei entsprechender Indikation
orthopädische Maßschuhe mit Weichbettungseinlagen beim diabetischen Fuß
Knieorthesen bei nachgewiesener medizinischer Notwendigkeit (etwa nach Bandverletzungen oder bei Gonarthrose)
Wirbelsäulenorthesen (zum Beispiel bei Skoliose oder nach Wirbelsäulenoperationen)
Schulterorthesen (häufig nach Schulteroperationen oder bei Schultergelenkinstabilität)
Handgelenk- und Fingerorthesen (etwa bei rheumatoider Arthritis oder nach Frakturen)
Wichtiger Hinweis: Diese Liste ist weder als vollständig noch als abschließend zu verstehen! Grundsätzlich kann jede Orthese von der Krankenkasse übernommen werden, sofern die genannten drei Voraussetzungen erfüllt sind.
Aber Achtung: Die Krankenkasse übernimmt in der Regel nur die Kosten für eine ausreichende und zweckmäßige Versorgung, also oft nur für ein Basismodell. Wünschst du dir ein höherwertiges Material, ein komfortableres Modell oder technisch aufwendigere Systeme, so musst du die Mehrkosten häufig selbst tragen. Privatversicherte haben je nach Tarif oft einen größeren Leistungsumfang, sollten aber ebenfalls vorab eine Kostenzusage einholen.
Fazit
Fast jeder hat schon mal eine Orthese getragen – oder kennt zumindest jemanden, der das getan hat. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Orthesen sind ein äußerst vielseitiges Hilfsmittel. Sie unterstützen, entlasten und stabilisieren den Bewegungsapparat bei einer enormen Bandbreite an Erkrankungen und Verletzungen – so reicht ihr Einsatzbereich vom einfachen Spreizfuß bis hin zu schweren neurologischen Lähmungen. Dank moderner Materialien und Technologien können Orthesen immer präziser auf deine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten werden. Sie schenken dir mehr Mobilität, verringern Schmerzen und verbessern so deine Lebensqualität. Dies macht sie zu einem wirklich wertvollen Hilfsmittel.
Oft gefragt
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